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Winterfreuden auf dem Eis des Arendsees

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Tribüne, Schnee und Zutritt zum Strandbad: Im Winter 2010 konnte Schlittschuh gelaufen werden.
Tribüne, Schnee und Zutritt zum Strandbad: Im Winter 2010 konnte Schlittschuh gelaufen werden. © Freier Mitarbeiter

Immer wieder hört man in der Seestadt die Frage: „Wann friert der Arendsee endlich wieder einmal zu, sodass man dort wie früher Schlittschuh laufen kann?“ Dabei vergessen die meisten der älteren Bürger, dass sie wesentlich öfter auf den sogenannten LPG-Teichen zum Schlittschuhlaufen waren als auf dem Arendsee. Hier nun ein Rückblick auf Jahre, in denen der See längere Zeit und bis auf „Gänselöcher“ zugefroren war.

Arendsee – Das letzte Mal vollständig und für längere Zeit war der Arendsee zum Jahreswechsel 2002 bis weit in den Januar 2003 sowie in den Jahren 2006 und 2012 zugefroren. Die Eisdecke war oft über 20 Zentimeter stark, sodass auch Stände mit Glühwein auf dem See aufgestellt werden konnten. Weiterhin waren die Winter von 2009 und 2010 schneereich und lang anhaltend, doch der See war nicht komplett zugefroren.

Das Hoch „Cooper“ und seine Ausläufer bescherten 2012 Temperaturen um minus 20 Grad. Zum Eisbadetag am Sonntag, 12. Februar 2012, mussten Uwe Walter und Hans-Henning Schindler sogar ein etwa drei mal fünf Meter großes Loch in das 24 Zentimeter dicke Eis des Sees sägen, um darin baden gehen zu können. Ein Jahr später schneite es nochmals kurz vor Ostern, und Arendsee lag am 10. März unter einer geschlossenen Schneedecke.

Im Februar 1963 betrug die Eisdecke auf dem Arendsee 30 bis 35 Zentimeter. Eine lange Kälteperiode brachte auch der Winter 1969 / 1970, als der Arendsee bereits am Silvestertag zufror und erst Mitte März wieder aufbrach.

In den Januartagen des Jahres 1982 war der Arendsee ebenfalls völlig zugefroren. Das Leben und der Trubel auf dem Eis hatte an manchen Tagen Volksfestcharakter. Der Arendsee mit seinem Eismantel zeigte allerdings auch seine zerstörerische Kraft, als dieser in der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1982 überraschend aufbrach. Dabei wurde ein Großteil der hölzernen Tribünenkonstruktion weggerissen.

Viele Leser können sich noch gut an den kalten Winter im Jahr 1987 erinnern. In den ersten Tagen des Januars begann die Frostperiode mit Rekordtemperaturen von bis zu minus 28,1 Grad. Sogar im März wurden noch einmal minus 15 Grad gemessen. Der Arendsee war ebenfalls bereits im Januar zugefroren, und viele Arendseer nutzten die Gelegenheit zu einem Rundgang auf dem Eis um den See. Am 10. Januar gab es so viel Schnee und dazu noch starken Wind, sodass der Straßendienst mit allen Schneeräumfahrzeugen im ganzen Kreis Osterburg Tag und Nacht im Einsatz war. Auch zahlreiche Betriebe mussten bei der Schneeberäumung mit Arbeitskräften und Technik helfen.

Der durchschnittlich kälteste Winter des letzten Jahrhunderts in der Altmark war der Winter 1996, als unter anderem zahlreiche Wasserleitungen einfroren und mehr als 2000 Haushalte im Altmarkkreis von Januar bis April mit Wasserwagen versorgt werden mussten. Er begann am 3. November und dauerte bis weit in den April. Die tiefste Temperatur wurde am 9. Februar 1996 mit minus 17,9 Grad gemessen. Vielen Arendseern ist noch die spektakuläre Rettungsaktion am 6. April 1996 in guter Erinnerung, als die „Queen“ nur durch eine Sprengung der Eismassen durch das THW Salzwedel vor dem Zerdrücken durch das Eis gerettet werden konnte.

Weiter zurück in der Vergangenheit fallen die Winter der Jahre 1924 und 1929 auf, da die Arendseer den zugefrorenen Arendsee zu zahlreichen Aktivitäten nutzten. Es war mit bis zu minus 26 Grad so kalt, dass das Arendseer Wochenblatt am Montag, 11. Februar, schrieb: „Die Kälte machte sich ganz besonders bemerkbar, als es gestern Nachmittag mit Musik quer über den See zum Bockbierfest nach Zießau gehen sollte.“

Im Februar 1924 veranstaltete der Männer-Turn-Verein Arendsee sogar ein großes Eissportfest mit Musik auf dem See. Das Arendseer Wochenblatt vom 21. Februar 1924 berichtete begeistert: „[...] hatte der Männer-Turn-Verein für gestern Nachmittag ein Eisfest veranstaltet und dazu die ganze Einwohnerschaft von Arendsee eingeladen. Bald nach 1 Uhr begann das Konzert, und eine ungeheure Zahl von Schlittschuhläufern, Piek- und Stuhlschlittenfahrern und Fußgängern bevölkerten die diesseitige spiegelglatte Eisfläche. Fliegende Kneipen sorgten für das leibliche Wohl aller Labung verlangenden Personen.“

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