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Ronald Krüger kämpft für Tempo-30-Zone in Zühlen: „Wenn etwas passiert, ist es zu spät“

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Von: Detlef Güssefeld

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Eine aus Sperrholz hergestellte, lebensgroße und bunt gestaltete Kinderfigur steht am Straßenrand und warnt Autofahrer vor einer Gefahrenstelle.
Da die Ämter nicht reagierten, wurden auf eigene Initiative diese Figuren am Straßenrand aufgestellt, um die Autofahrer auf die Gefahrenstelle hinzuweisen. Inzwischen sind sie aber gestohlen worden. © Harry Güssefeld

„Immer wenn ich nach Recklingen in unser anderes Heim fahre, dann sehe ich dieses Schild in Winterfeld vor der Kita“, so Ronald „Pitt“ Krüger, verantwortlich für die Kinderheime in Recklingen und Zühlen. Dort würden die Autofahrer von 8 bis 16 Uhr gezwungen, 30 Kilometer pro Stunde zu fahren.

Zühlen – „Das ist hier bei uns in Zühlen nicht möglich“, schimpft Krüger. Vor zwei Jahren hatte er bereits einen Antrag gestellt. Der Landkreis hatte abgelehnt. „Dann hatten wir ja in Eigeninitiative diese Kinderbilder aufgestellt, die man uns ja dann gestohlen hatte“, erfährt die AZ weiter.

Problematisch wurde die Situation wieder in der Zeit, als die Sachsenfalle in Seehausen vor Wochen gesperrt war. Ein Großteil des Umleitungsverkehrs führte nun durch Zühlen über die Kreisstraße. „Eine Situation, die ich als Verantwortlicher für die Kinder so nicht akzeptieren kann“, sagte der Heimleiter. Er habe sofort Arendsees Bürgermeister Norman Klebe angerufen, der wollte sich beim neuen Landrat in Salzwedel stark machen. Passiert sei aber nichts. Nun habe er wieder einen schriftlichen Antrag an den Landkreis formuliert. Darin fordert er eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h in der Zeit von 6 bis 8.30 Uhr. „Meine Kinder müssen morgens im Dunkeln vom Heim über die Straße zur Bushaltestelle“, erzählt Krüger. Die Autos und Lkw, die Zühlen passieren, sehen diese Bushaltestelle in Richtung Arendsee nur unzureichend, vor allem dann, wenn sie 50 oder mehr fahren, erklärt der Heimleiter.

„Es ist nicht nur die Sorge um die Kinder, sondern natürlich auch um die Autofahrer, die mich umtreibt“, so „Pitt“ Krüger. Er mag das Gequatsche nicht, wenn ihm vermeintliche Unterstützer sagen, es müsse erst einmal etwas passieren, dann würde man auch in Salzwedel reagieren. „Dann ist es zu spät“, sagt er. Eine Antwort aus der Kreisstadt steht aus. Unbefriedigend sei das. In Thielbeer, Sanne-Kerkuhn, überall stünden die 30-er Schilder. Aufgestellt im Zuge der Umleitung der B 190 im Sommer, aber nun fester Bestandteil der Verkehrsregelung. Krüger versteht die Welt nicht mehr, und auch die Ignoranz nicht, die ihm entgegenschlägt. Es wurmt ihn aber noch eine andere Sache: Der fehlende Radweg nach Arendsee. „Unsere Schüler wollen nicht stundenlang auf den Bus in Arendsee warten, weil Unterricht ausfällt“, hieß es. Deshalb nutzten auch einige das Rad – mit Warnweste. Dennoch hat „Pitt“ Krüger jedes Mal ein mulmiges Gefühl. „Eigentlich geht das nicht“, überlegt er kurz. Es sei „saugefährlich“, die Straße zu benutzen. Aber auch in Sachen Radweg bewege sich in Arendsee nichts. Keine Schilder in Zühlen, kein Radweg nach Arendsee. Ohnmacht mache sich bei ihm breit, aber die Verantwortung für die Kinder könne Krüger nicht einfach übertragen.

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