Bauausschuss ignoriert Schutz von Wiesenweihe und Rotem Milan / Ziel: drei neue Windkraftanlagen in Fleetmark

Profitstreben kontra Naturschutz?

Wiesenweihe (kl. Foto) und Roter Milan nahe der geplanten drei neuen Windkraftanlagen in Fleetmark – das ruft die Obere Naturschutzbehörde auf den Plan.
+
Wiesenweihe (kl. Foto) und Roter Milan nahe der geplanten drei neuen Windkraftanlagen in Fleetmark – das ruft die Obere Naturschutzbehörde auf den Plan.

Arendsee. Elf Windkraftanlagen stehen bislang an der Straße zwischen Sanne und Fleetmark auf dem Territorium der Einheitsgemeinde Arendsee. Der Windpark sei nicht ausgelastet, hieß es in einer Stellungnahme des Planungsbüros nach dem Genehmigungsverfahren für die elf Anlagen.

Nun sollen drei weitere dazukommen. Nicht mit einer Nabenhöhe von 123 Metern wie bisher. Sondern sogar mit 200 Metern Gesamthöhe bei einer Nabenhöhe der neuen Anlagen von 180 Metern.

Die Träger öffentlicher Belange haben sich dazu geäußert, unter anderem auch die Obere Naturschutzbehörde. Fakt ist: Sie lehnt die Errichtung der Anlagen ab. Und zwar deshalb, weil Roter Milan und Wiesenweihe enorm in Gefahr sind. Von Todesschlag durch die Rotorblätter ist die Rede, und der Abstand von 1000 Metern zu Nestern und Horsten der Vögel sei nicht eingehalten. Der Bauausschuss hatte unter anderem über diese Tatsache zu befinden, nachdem der Gemeinderat in Fleetmark den Vorhaben ohne Bedenken zugestimmt hatte, wie Bauamtsleiter Gert Reckling gestern in einem Pressegespräch betonte.

Die Diskussion war recht kurz, einige Bauausschussmitglieder ließen sich zu Meinungen hinreißen wie „Wer weiß, ob es solche Viecher da überhaupt gibt“ (Stadtrat Uwe Walter) – der Betrachter hatte den Eindruck, die Diskussion sei den Ausschussmitgliedern im öffentlichen Teil unangenehm und sollte deshalb schnell durchgewunken werden.

Diejenigen Stadträte, die die Einwände der Naturschutzbehörde ignorieren, könnten durch bestehenden Kartierungen des Naturschutz-Fachmannes Paul Meitz eines Besseren belehrt werden. Der Binder erklärte gestern, dass „es Gelege der Wiesenweihe auf jeden Fall gibt“. Dieser Vogel sei besonders gefährdet, weil er auf dem Boden brüte und durch die Schlagschatten der Rotorblätter gestört und dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird.

„Ich werde mich nicht auf eine bestimmte Seite schlagen“, hatte Reckling erklärt – aber während der Diskussion keinen Zweifel daran ließ, dass das Vorhaben trotz aller Bedenken umgesetzt werde. Warum der Planer als Antwort auf die Bedenken der oberen Naturschutzbehörde schriftlich erklärte, es gebe keinen Roten Milan und keine Wiesenweihe, und sich dabei auf Kontrollen durch den NABU und Landwirte bezog, blieb gestern offen. „Wir haben keine Zeit und keine Veranlassung, Ornithologen an diesem Prozess zu beteiligen“, so Reckling auf die Frage, warum sich die Stadträte keine fachlichen Informationen einholen. Die Entscheidung liege bei den einzelnen Stadträten.

Was passiere, wenn der Stadtrat dem Planer folge und die Maßnahme vorantreibe, wollte die AZ wissen. Es gebe, so Reckling, dann immer noch die Möglichkeit, dass die Obere Naturschutzbehörde Klage einreichen könnte. „Wir sollten aber immer daran denken, Investoren keine Steine in den Weg zu legen“, so Reckling. Und machte damit auch deutlich, dass die begonnene Diskussion dem „Vorhaben schaden könnte.“

Von Harry Güssefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare