Vor der U-18-Wahl im KiEZ Arendsee gabs eine Fragestunde / 114 Schüler forderten sechs Bundestagskandidaten

Piraten und Linke bei Schülern ganz vorn

Stellten sich den Fragen von insgesamt 114 Schülern im Kindererholungszentrum Arendsee: Christian Franke (Grüne, 2.v.l.), Kathrin Kunert (Linke, 4.v.l.), Jörg Hellmuth (CDU, 7.v.r.), Dr. Michael Kühn in Vertretung von Marcus Faber (FDP, 5. v.r.), Marina Kermer (SPD, 4.v.r.) und Rene Schernikau (Piraten, r.). An der anschließenden U-18-Wahl nahmen rund 60 Prozent aller Schüler teil. Fotos: Güssefeld

Arendsee. Trotz angespannten Wahlkampfes haben sich gestern die Bundestagskandidaten Katrin Kunert (Linke), Jörg Hellmuth (CDU), Marina Kermer (SPD), Dr.

Michael Kühn in Vertretung des FDP-Kandidaten Marcus Faber, Christian Franke (Grüne) und René Schernikau (Piraten) den zukünftigen Wählern gestellt und Fragen beantwortet. 114 Mädchen und Jungen der 8. bis 10. Klassen waren ins KiEZ gekommen, um an der U-18-Wahl teilzunehmen. 68 taten es dann auch.

„Warum will die Linke die Nato abschaffen?“, war eine der ersten Fragen, die aus dem Publikum kamen. Kathrin Kunert antwortete gekonnt souverän, sprach von der Forderung, ein „solidarisches Sicherheitssystem aufzubauen, in dem Russland eine Mitglied ist“.

Schwerpunktthema war auch der Mindestlohn. „Der Mensch muss von der täglichen Vollzeitarbeit leben können“, so Kunert. Sie fordert einen gesetzlichen Mindestlohn, dabei wurde sie von Christian Franke unterstützt. Er will konkret 8,50 Euro durchgesetzt wissen. Ausgangspunkt war die Frage, „warum im Osten die Menschen immer noch weniger verdienen als im Westen?“. Die Piraten, so René Schernikau, wollen einen Mindestlohn ausgehandelt sehen, auch die SPD-Kandidatin war sicher, dass die 8,50 Euro kommen müssen, um Aufstockungen mit Hartz-Leistungen bei Niedriglöhnen zu beseitigen. Der FDP-Vertreter war der Ansicht, dass sich der Markt regelt und damit auch der Lohn. Angesichts des Arbeitskräftemangels in vielen Bereichen werde sich der Lohn über den Markt definieren.

Heftige Diskussionen entbrannten beim Thema gleichgeschlechtliche Ehe und Adoption von Kindern schwuler Paare. Kunert und Franke sprachen sich für eine Adoption von Kindern aus. Franke, der sich selbst als schwul bezeichnet, verweist auf das Grundgesetz der Bundesrepublik, nach dem alle Bürger gleich zu behandeln seien. „Ist es wirklich so, dass die CDU weiterhin blockt, so dass ich, sollte ich mal eine Familie mit Kindern gründen möchte, ins Ausland gehen muss?“, fragte Franke in die Runde. Es gab Beifall für ihn, auch für die Forderung Kunerts, „jeder müsse so leben können wie er will.“

Jörg Hellmuth sprach sich auf Nachfrage für die gleichgeschlechtliche Ehe aus, lehnt aber die Adoption durch schwule Paare ab. „Ich habe da meine Gründe“, sagte er vor den Schülern, die noch mal nachfragten, aber Hellmuth blieb bei seiner Haltung. Marina Kermer beendet das Thema mit der Bemerkung, wenn Ehen geschieden würden, gäbe es auch alleinerziehende Männer. Sie wisse nicht, dass ein schwuler Mann nicht in der Lage sei, auch ein Kind zu erziehen. Kunert forderte mehr Lesben und schwule in die Politik. Sieben Prozent der Bevölkerung seien gleichgeschlechtlich orientiert.

Erneuerbare Energien machten auch einen Großteil der Diskussion aus. Auf die Frage, wie die Grünen es begründen, wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche mit Windrädern und Solaranlagen zu bepflastern, machte Franke klar, dass auch Wälder als Standorte für Windanlagen in Frage kämen. Man müsse Flächen finden, die derzeit noch nicht zum Thema gemacht wurden – Kunert machte daraufhin deutlich, dass die Linke fordert, dass „Energie dort entsteht, wo sie auch gebraucht wird.“ Jörg Hellmuth forderte, dass in Zukunft die Landschaft nicht weiter mit Anlagen zugebaut werden dürfe.

Die Jugendlichen stellten auch Fragen nach der Forderung von Parteien, die Tabakwerbung zu verbieten, aber gleichzeitig weiche Drogen freigeben zu wollen„Wir wissen, wie schädlich das Rauchen ist“, erklärte Kunert. Deshalb müsse man alle Möglichkeiten nutzen, darauf aufmerksam zu machen – oder eben die Werbung verbieten. „Das Problem mit den Drogen ist deshalb ein Problem, weil damit oft Beschaffungskriminalität verbunden ist“, so Kunert weiter. Die Kriminalität könne aber eingedämmt werden, indem man weiche Drogen legalisiere – für den Eigengebrauch. Rene Schernikau von den Piraten will Drogen wie Cannabis , das sich gut als Medikament für Schwerkranke erwiesen habe, auch deshalb legalisieren.

Gentechnik war ein weiteres Feld, gegen das sich Kunert und Franke, aber auch Piraten wehren. „Wer würde gentechnisch veränderte Lebensmittel essen?“, fragte der Pirat. Rund 15 Schüler sagten Ja, die überwiegende Mehrheit war dagegen.

Von Harry Güssefeld

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