Versuchsanlage wird auf dem See errichtet / Wissenschaftler sprechen von „weltweit neuartigem Forschungsansatz“

Patient See im Dienste der Wissenschaft

Im Segelclub wurden gestern Nachmittag die Zylinder der Versuchsanlage verladen. Einzeln wurden sie dann in Richtung Schramper Eck verschifft. Foto: Güssefeld

Arendsee. Das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) richtet derzeit am Arendsee eine neue Versuchsanlage ein.

Damit wollen die Wissenschaftler unter natürlichen Bedingungen untersuchen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Nährstoffverteilung im See haben könnte. Geplant war die Inbetriebnahme der Forschungsstation bereits gestern – „doch die Installation der Anlage gestaltet sich schwieriger als gedacht“, so Dr. Michael Hupfer vom IGB gestern im Beisein der geladenen Gäste.

Die Anlage besteht aus vier 30 Meter langen Schläuchen mit einem Durchmesser von je drei Metern. Diese Zylinder sind an einer schwimmenden Plattform befestigt. Diese sollte, mit den Schläuchen komplettiert, an die tiefste Stelle geschleppt werden. Doch das misslang. Jeder der Schläuche musste einzeln zunächst zum Schramper Eck gebracht werden. Das geschah mittels eines Bootes des Segelclubs. Die Schläuche wurden mit dem Kran auf dem Segelclubgelände auf das Boot gehievt – und ab gings. „Wir müssen uns bei den Seglern um Uli Seedorff bedanken, dass sie uns in dieser Situation helfen“, so Dr. Hupfer.

Wenn die Versuchsanlage auf dem Arendsee installiert ist, reichen die vier Schläuche von 20 Meter Tiefe bis auf den Seegrund in rund 50 Metern und schließen unten mit dem Sediment ab. Und das sei das Besondere: In anderen Seen reichen die Enclosures genannten Zylinder von der Wasseroberfläche bis in eine Tiefe von höchstens 20 Metern. Innerhalb der Enclosures können die Forscher Experimente durchführen, die im Labor wegen der Komplexität natürlicher Einflüsse nicht möglich sind.

Mit der Anlage verfolgen die Wissenschaftler einen „weltweit neuartigen Forschungsansatz“, hieß es gestern. Sie können damit die Vorgänge im Tiefenwasser und im Sediment untersuchen, ohne dass dabei das Wasser im Zylinder komplett vom restlichen Wasserkörper abgeschnitten ist. Unter den Bedingungen wollen die Gewässerforscher klären, welche Rolle die Sedimente beim Nährstoffhaushalt und beim Sauerstoffverbrauch spielen.

Beteiligt ist auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die ein weiteres Projekt fördert, in dem es um die Folgen des Klimawandels geht. Das thermische Mischungsverhältnis der Wasserschichten wird sich durch den Klimawandel ändern. Wie sich das auf die Versorgung der oberen Wasserschichten mit dem Nährstoff Phosphor auswirkt, wollen die Forscher am Arendsee untersuchen. Der Arendsee eignet sich besonders gut, weil er zu den wenigen Gewässern in Deutschland gehört, zu denen langjährige Messreihen vorliegen. „Damit lassen sich Trendanalysen durchführen“, so Dr. Hupfer.

Das Dauerthema Algenentwicklung – mit der geplanten Ausfällung und der Untersuchungen der Einläufe – wird von dem Vorhaben nicht tangiert. Einzelne Forschungsergebnisse könnten aber zur Problemlösung beitragen.

Von Harry Güssefeld

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