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Passagierschiffe gibt es auf dem Arendsee seit mindestens 150 Jahren

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Boote und Menschen
Die Motorboote „Hedwig“ und „Hammonia“, die gut 70 bzw. 38 Personen Platz boten. © Privat / Sammlung Schwarz

Heute dreht die „Queen“ ihre Runden, früher waren es Ruder- und später Motorboote, die die Urlauber über den See kutschierten. Seit 150 Jahren ist der Arendsee ein Anziehungspunkt für Erholung suchende Menschen. Nach 1872 entwickelte sich langsam eine den Bedürfnissen der sogenannten Sommerfrischler angepasste Urlauberinfrastruktur. Dazu gehörten auch Freizeitangebote jeglicher Art, unter anderem auch Rundfahrten auf dem Arendsee.

Arendsee. Diese gab es in den ersten Jahren mit einem Ruderboot, doch bereits auf Ansichtskarten um die Jahrhundertwende sind erste Motorboote mit Urlaubern zu erkennen. Auch Prof. Dr. Wilhelm Halbfass erwähnt in seinem Bericht über seine Messungen im Arendsee 1894 bereits ein solches Motorboot. Es ist jedoch nicht bekannt, ob dieses Boot dauerhaft auf dem See fuhr. Erste heute noch vorhandene Nachweise über ein Ausflugsboot auf dem Arendsee findet man im Frühjahr 1909, als private Arendseer eines von zwei Motorschiffen aus Seehausen kauften, die dort im Winter Schaulustige während des großen Hochwassers auf der Elbe und dem Aland beförderte. Es wurde im Mai 1909 mit einem Pferdegespann von Seehausen an den Arendsee gebracht.

Boot und Menschen
Die älteste bekannte Darstellung eines Passagierschiffes auf dem Arendsee (Karte von 1898). © Privat / Sammlung Schwarz

Im Arendseer Wochenblatt findet man von der Inbetriebnahme folgenden Bericht: „Das Boot faßt 25 Personen und hat einen 6pferdigen Daimler-Motor. Nachmittags trat die Bornsche Kapelle an, um die erste Fahrt mit Musik zu begleiten. Vormittags wie nachmittags war viel Publikum am See, welches die Bewegungen des Schiffes mit Interesse verfolgte. Leider ist der erste Tag nicht ohne Unfall verlaufen. Das Zuflußrohr zum Benzinbehälter hatte auf dem Transport gelitten, war undicht geworden, und hierdurch geriet das Benzin plötzlich in Brand. Die im Boot befindlichen Passagiere wurden unruhig und riefen um Hilfe. Zwei Gondeln waren schnell herbeigeholt und nahmen diese auf. Das Motorboot wurde ans Land bugsiert und die Reparatur vorgenommen; nach ein paar Stunden nahm es die Fahrt wieder auf. Die Reparatur sollte vor dem Unfall vorgenommen werden, doch war der Andrang der Passagiere sehr stark, dadurch unterblieb sie“.

Drittes Boot 1928

Danach muss in den 20er Jahren ein weiteres Motorboot auf dem Arendsee gefahren sein, denn am 4. Oktober 1928 war im Arendseer Wochenblatt folgende Notiz zu lesen: „Das von uns bereits angezeigte 3. Motorboot kam am Ostersonnabend gegen 19 Uhr in der Töbelmannstraße an. Auf einem schweren Kranwagen, von 4 Pferden gezogen, thronte das von Herrn Hermann Schröder gepachtete – nicht von Herrn Schreiber gekaufte – Motorboot vorn am Bug mit der schwarz-weiß-roten Flagge und an beiden Seiten mit der Aufschrift ,Richtung Arendsee’. Man begann sofort mit dem Stapellauf auf der Wiese neben der Riebelschen Villa, der aber erst nach unsäglichen Schwierigkeiten am 1. Feiertag gegen Mittag vor sich gehen konnte. Am gleichen Tage konnten dann aber die ersten Probefahrten von ,Onkel Hermann’ auf unserem schönen See unternommen werden“.

Boot und Menschen
Bootsanleger der Familie Seedorf (um 1935). © Privat / Sammlung Schwarz

Um das Jahr 1925 wurde eine weitere Barkasse mit dem Namen „Seeadler“ angeschafft. Es war ein offenes stählernes Boot älterer Bauart und für bis zu 60 Personen geeignet. Es wurde von Hermann Schröder als Kapitän bis in die Zeit des 2. Weltkrieges genutzt und als größtes Boot auf dem Arendsee im Jahr 1929 gefeiert.

„Seemöve“ kam 1936 auf den See

1936 wurde von Kurt Schüßler eine weitere Barkasse für 20 Personen mit dem Namen „Seemöve“ auf dem See eingesetzt, die infolge des Krieges 1941 außer Betrieb genommen und von unternehmungslustigen amerikanischen Besatzungssoldaten 1945 wieder fahrbereit gemacht wurde. Sie fuhren damit zu ihrem Vergnügen auf dem See herum, was nach ihnen auch die Engländer taten, als sie die Amerikaner im Juni 1945 als Besatzungsmacht ablösten. Die Engländer zerstörten den Schiffsmotor und machten so das Schiff unbrauchbar, als ihnen die Russen als Besatzungsmacht nachfolgten. In den 30er Jahren gab es noch die Barkasse „Hammonia“ von Hermann Seedorf, die für 38 Personen zugelassen war.

Das heute noch bekannteste Passagierboot auf dem Arendsee war die „Hedwig“, die im April 1929 von Hermann Seedorf in Arendsee in Dienst gestellt wurde. Über ihre erste Fahrt schrieb das Arendseer Wochenblatt“ am 6. April 1929: „Gestern unternahm Herr Seedorf die erste Fahrt mit seinem neuen aus Hamburg eingetroffenen Motorboot „Hedwig“, das vorgestern zu Wasser gelassen worden war. Am Bug und Heck des Bootes flatterte lustig die Flagge Hamburgs, das Stadtwappen auf rotem Grund. Am Signalmast war die Probefahrtsflagge gehißt. Mit einem mächtigen Schnurrbart am Bug schoß das Boot durch den aufgewühlten See. Dazu brummte der 18,5pferdige Motor sein Arbeitslied. Das Boot bietet gut 70 Personen Platz, und zwar auf einer rings am Bord laufenden Bank und mit Stehplätzen. Am Bug befindet sich die Kajüte mit etwa 8 Stehplätzen“.

Nach dem 2. Weltkrieg war die Passagierschifffahrt auf dem Arendsee eingestellt und es gab kein funktionstüchtiges Schiff mehr. Die Schiffe wurden abgewrackt und bis zum Jahr 1948 verschrottet.

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