Invasive Arten

Diese Tiere besser nicht füttern

Schwimmende Nutria
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Schwimmende Nutria am Arendsee-Steg bei Zießau. 2019/2020 erlegten Jäger in Sachsen-Anhalt 3417 Exemplare. Das waren knapp 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
  • vonBeate Achilles
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Am Arendsee gibt es viele Nutrias. Die Eindämmung dieses Nagetiers aus der Gattung der Stachelratten gestaltet sich schwierig

„Die Nutrias machen mir Bauchschmerzen, denn sie vermehren sich rasant“, warnt Wolfgang Günther aus Arendsee. Die Natur in der Altmark kennt er genau, denn seit 45 Jahren ist er hier als Jäger unterwegs. „Im Jagdrevier am Aland haben wir sehr negative Erfahrungen mit den Nutrias gemacht“, sagt er. „Vor zehn Jahren gab es die dort noch gar nicht. Jetzt schießen wir sehr viele. Wir haben den Kampf längst verloren“, fürchtet er.

Günther besitzt auch ein Seegrundstück am Arendsee. Dort fängt er die Nutrias mit Fallen. Töten darf er sie auf seinem Grundstück nicht. „Dafür muss ich 25 Kilometer in mein Jagdrevier fahren“, erklärt Günther. So sieht das Jagdrecht es vor.

Eingeschleppte Art

Nutrias werden auch „Biberratte“ genannt und stammen aus Südamerika. In Deutschland wurden die ersten Tiere zur Farmhaltung bereits 1867 eingeführt. Zu DDR-Zeiten wurden sie ihres Felles wegen gezüchtet. Nach der Wende ließen viele Züchter ihre Tiere frei. Die milder gewordenen deutschen Winter begünstigten die Ausbreitung in der freien Natur.

Zwei bis dreimal im Jahr werfen Nutriaweibchen durchschnittlich fünf Jungtiere, die – abhängig davon, ob sie im Sommer oder im Winter geboren wurden – bereits nach drei bis sieben Monaten selbst wieder geschlechtsreif sind.

Vielfältige Schäden

Seit 2016 wird die Nutria auf der EU-Liste der invasiven Arten geführt und darf in den meisten Bundesländern, so auch in Sachsen-Anhalt, bejagt werden. Die Liste der Schäden, die die Nutria anrichten kann, ist lang: Sie verursacht Fraßschäden an Wasserpflanzen, wie zum Beispiel Schilf und Seerosen, aber auch an Bäumen und Ackerfrüchten wie Rüben und Kartoffeln. Die Nutria baut unterirdisch meterlange Röhrensysteme, die Uferböschungen und Deiche destabilisieren können. Und sie kann Krankheiten übertragen, beispielsweise die Leptospirose, eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung, die unter anderem sehr hohes Fieber und Entzündungen der Leber, Nieren, Hirnhäute oder des Herzmuskels auslösen kann. Über infizierte Körperflüssigkeiten wie Urin, Blut oder Speichel der Tiere gelangt der Erreger ins Wasser oder in den Erdboden. Der Mensch kann sich durch kleine Verletzungen der Haut, Schleimhaut oder Bindehaut anstecken. Wenn sie sich bedroht fühlen, können Nutrias zudem ausgesprochen wehrhaft reagieren.

Gefahr für Hunde

Immer wieder wird von tödlichen Nutria-Angriffen auf Hunde berichtet. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Biberratte selbst im Nahrungsspektrum des Wolfes keine große Rolle spielt. Auf 4,2 Prozent kam eine Studie des Senckenberg- Museums für Naturkunde Görlitz, die die Nahrung von Wölfen in Sachsen-Anhalt analysierte. Die Zahl bezieht sich auf den Bereich Glücksburger Heide im Landkreis Wittenberg.

Am Ufer ungestört

Und so kann sich die Nutria auch an dem von vielen Badenden und Erholungssuchenden genutzten Ufer des Arendsees weitgehend ungestört ausbreiten. Die Abschussprämie, die die örtlichen Wasserverbände zahlen, brauchen sie nicht zu fürchten. Denn an einem touristisch genutzten Seeufer darf nicht gejagt werden. Auch der Einsatz von Gift ist wegen des Gewässerschutzes nicht erlaubt. Hans-Jörg Steingraf vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt antwortet auf die Frage, wie die Nutria am Arendsee eingedämmt werden kann: „Man geht dagegen vor, indem man sie nicht mehr füttert.“ Er schickt damit eine klare Nachricht an wohlmeinende Tierfreunde. Ob das ausreicht? Wolfgang Günther glaubt das nicht. „Es braucht eine Sonderregelung für die Jagd, die angeschoben werden muss“, meint er.

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