Paul Meitz: Nordische Gänse bevorzugen das Rheindelta in Holland

Nur noch bis zu 8000 Stammgäste auf dem See

Zur Zeit eher nicht zu beobachten: Zigtausende Gänse auf den Feldern rund um den Arendsee. Die Tiere ziehen inzwischen dahin, wo sie bessere Futterbedingungen finden – zu einem neuen Ziel wurde das Rheindelta in den Niederlanden. Foto: Güssefeld

Arendsee. Auch wenn die Gänse am Arendsee nicht unumstritten sind – es kommen alljährlich viele Urlauber im Winter nach Arendsee, um den abendlichen Anflug der Gänse auf den See mitzuerleben. Doch derzeit ist es verhältnismäßig ruhig.

Statt der ansonst rund 40 000 Tiere zählenden Exemplare sind aktuell nur 7000 bis 8000 Tiere auf dem See.

Naturschutzexperte Paul Meitz aus Binde kennt die Situation. „Dem aufstrebenden Tourismus in der Elbtalaue war zu verdanken, dass sich die Gänsepopulation auf bis zu 40 000 Tiere erhöht hatte“, so Meitz gegenüber der Altmark-Zeitung. So nutzten die Tiere von der Elbe den Arendsee als willkommenes Ausweichquartier. Damals seien es bis zu 20 000 Stammgäste gewesen. „Insbesondere im Januar ist die Anzahl der Gäste immer geringer, weil die Tiere, die aus dem Süden kommend und wieder auf dem Arendsee rasten, noch nicht da sind“, so der Binder.

Bei den nordischen Gänsen handelt es sich vornehmlich um Saat- und Blessgänse. Sie suchen sich auch Gegenden aus, in denen der Winter nicht so zugeschlagen hat. Seit Wochen ist es kalt am Arendsee, und so suchen sich die Tiere Regionen, wo sie leichter Futter finden. „Für die Gänse, die ansonsten am Arendsee waren, ist das Rheindelta in Holland interessanter“, weiß der Naturfreund. Auch Friesland wird der Urlaubsregion Arendsee vorgezogen. „Dort können sie nach Herzenslust fressen, hier in der Altmark stören sie sich schon an den Tonnen, die auf den Rapsfeldern als Abschreckung stehen“, hieß es gestern.

Neben Arendsee haben rund 1000 Gänse noch eine andere Stelle gefunden, um sich nachts von ihren Aufenthalten auf den Feldern auszuruhen. In Vienau, so berichtet Meitz, haben sie einem ausgehobene Mulde in Beschlag genommen.

Auch wenn die Zahl der Gänse am Arendsee zurückgegangen ist und die Naturschützer das große Spektakel abends und morgens auf dem See vermissen – die Wissenschaftler, für die die Gänse zu den größten Phosphoreinträgern gehören, ist es eine Entlastung des Arendsees. Phosphor wird über Kot eingetragen, und je weniger Kot eingebracht wird, desto weniger wird der See belastet. In der Folge fehlt auch das „Futter“ für die Algen, die Algenkonzentration geht zurück.

Dieser Wunschtraum wird aber dadurch getrübt, weil die Forscher erkennen müssen, dass Phosphor auch durch das Grundwasser eingetragen wird. Die Gülleausbringung aus der industriellen Mast rund um den See müsse somit dringend auf den Prüfstand, fordern sie.

Von Harry Güssefeld

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