Einige Stadträte sehen Bürger durch neues Gelbe-Säcke-System gebeutelt

„Nicht hinnehmbar“

Das neue Gelbe-Säcke-System sorgt derzeit für kreisweite Aufregung. Nur ein Blick in den Nachbarkreis Stendal würde die Gemüter beruhigen. Dort hat jeder genügend Gelbe Säcke – und rund 800 000 Exemplare wurden in einem Jahr eingespart. Foto: Güssefeld

Arendsee. Der Stadtrat in Arendsee hat sich in das Wehklagen um die Praxis mit den Gelben Säcken eingeklinkt.

Versorger Alba gesteht jedem Haushalt seit Januar vier Rollen á 13 Beutel zu, abzuholen mit Servicekarten in diversen Einrichtungen (in Arendsee Elektrofachgeschäft Schommer und Raiffeisen-Tankstelle Bahnhofstraße). Sollten die 52 Gelben Säcke nicht ausreichen, können Betroffene anrufen: „Wir senden Ihnen eine weitere Abholkarte zu“, heißt es im Kreis-Abfallkalender seitens der Alba.

Für Arendsees Stadträte sind der begrenzte Verbrauch und das Abholsystem „nicht hinnehmbar“. Thomas Schlicke (Linke) sagte während der Stadtratssitzung am Montag in Mechau, dass er nach Neujahr neue Säcke bestellt und sich amüsiert habe, dass die Frau am Telefon sich die Frage stellte, warum sein Kontingent denn schon aufgebraucht sei ...

Einige Stadträte wollen, dass jeder so viele Gelbe Säcke abholen kann, wie er braucht. Doch genau das wollen Altmarkkreis und Versorger nicht, denn die Beutel wurden zum Teil zweckentfremdet – für Gartenabfälle, als Kleidersäcke oder Hausmülltüte. In einer ehemaligen Ausgabestelle in Arendsee hieß es gestern auf AZ-Nachfrage, dass die Gelben Säcke „gefressen“ und in den seltensten Fällen „ihrer eigentlichen Verwendung zugeführt“ worden seien.

Der Stadtrat glaubt dennoch, dass die Arendseer über Gebühr belastet werden, um sich die Säcke zu beschaffen – auch wenn der Anruf zum Nachordern kostenfrei ist, was nicht erwähnt wurde. Das Thema sei bereits im Kreistag behandelt worden, berichtete Stadtrat Klaus Führ. Fleetmarks Ortsbürgermeister und Stadtrat Klaus Ahlfeld hatte die Idee, die gelben Tonnen wieder einzuführen. Horst Bretschneider, Ortsbürgermeister und Stadtrat aus Kaulitz, forderte kämpferisch, „sich das alles nicht gefallen zu lassen.“ Die Bürger seien mit dem Abholen und Anfordern der Säcke überfordert, so dass sogar die Gefahr bestehe, dass der Leichtmüll im Wald landet.

Von Harry Güssefeld

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