Simone Rettke aus Arendsee bekommt seit drei Monaten kein Geld / Verzweiflung macht sich breit

Nach Unfall keinen Cent mehr

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Simone Rettke aus Arendsee weiß nicht mehr ein noch aus: Hund „Billy“ kann sie trösten, das helfe manchmal. 

Arendsee. Wenn man glaubt, alle Menschen werden in Deutschland aufgefangen, wenn sie vor allem schuldlos in eine Krise geraten, dann sollte man die Geschichte kennen, die Simone Rettke aus Arendsee derzeit durchlebt.

Seit drei Monaten bekommt die 50-Jährige kein Geld – weder von der Berufsgenossenschaft, der Krankenkasse noch vom Arbeitsamt. Es war der 25. Juni diesen Jahres, als die Arendseerin während ihrer Tätigkeit in einem Dannenberger Pflegeheim nach eigenen Angaben einen Arbeitsunfall erlitt. Beim Heben einer Frau verdrehte sich die gelernte Krankenschwester das Knie – und war danach nicht mehr arbeitsfähig. „Das Problem war sicherlich, dass ich zum 30. Juni gekündigt hatte“, so die Arendseerin. So habe sie noch wenige Tage Krankengeld bekommen. Nach dem 30. Juni aber nichts mehr.

War es nun ein Arbeitsunfall? Für die Geschädigte sicherlich, aber scheinbar für die anderen, die das bescheinigen könnten, nicht. Denn ansonsten wäre nicht zu verstehen, dass trotz der Meldung des DRK, ihres damaligen Arbeitgebers, die Berufsgenossenschaft nicht reagiert hat. Warum das so passiert ist, kann sich Simone Rettke nicht erklären. „Ich dachte, es läuft alles automatisch“, sagte sie. Doch das sollte sich als Fehler herausstellen. Denn es passierte nichts.

Erst im August schrieb die Berufsgenossenschaft an die Krankenkasse, sie möge Krankengeld auszahlen, weil die Angelegenheit noch geprüft werden müsse. „Doch die Krankenkasse zahlt nicht, weil die Berufsgenossenschaft in der Pflicht wäre, wenn sie es denn als Betriebsunfall anerkennt“, vermutet die 50-Jährige. Und wird nicht müde, den Wust an Schreiben zu zeigen, der inzwischen angefallen ist. Weil das Knie sich derart verschlimmerte, musste sie sich am 16. August einer Operation in Seehausen unterziehen. Weil sie aber nicht versichert war, war sie gut beraten, eine freiwillige Krankenversicherung von rund 180 Euro pro Monat abzuschließen. Sonst wären die Kosten der OP womöglich an ihr hängen geblieben. Doch die Sache mit dem Geld macht die Frau fertig. Es gibt Dinge, die kaum noch zu regeln sind. So ist da die Busfahrkarte der Tochter zur Berufsschule nach Salzwedel. 80 Euro im Monat. Zwischenzeitlich überkommt es die Frau, sie hat Tränen in den Augen. Die Wohnung kostet warm 600 Euro. Mit Unterhalt und Kindergeld stehen beiden aber aktuell nur rund 460 Euro zur Verfügung. Abzüglich der Krankenversicherung sind es keine 300 Euro.

Da müsste doch das Arbeitsamt helfen können. Kann es aber nicht, weil gesagt wird, dass sie noch krankgeschrieben ist. „Soll ich mich jetzt gesundschreiben lassen, obwohl ich mit dem Knie aktuell nicht arbeiten kann?“, fragt sich Simone Rettke.

Die Arendseerin ist verzweifelt. Oft denkt sie an Menschen, die unterstützt werden. Die Ansprechpartner haben, sich nicht kümmern müssen. „Ich weiß nicht, was ich tun soll“, heißt es. Bei der Wohngeldstelle sagte man ihr, sie könne nach Kalbe ziehen, da seien die Wohnungen billiger. Derartige Antworten machen sie nicht mal mehr wütend.

Von Harry Güssefeld

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