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Leppin generell für Solaranlagen – Mit Grummeln auf Kompromiss-Suche

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Von: Detlef Güssefeld

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Einwohner von Leppin diskutierten zum Thema Solarenergie in ihrer Region. © Güssefeld

Rückblick: Als der Ortschaftsrat vor ein einiger Zeit über zwei geplante Solarparks bei Harpe und Leppin abstimmen sollte, wurde dieses Vorhaben ausgebremst. Denn wie die Mehrheit der Ortschaftsratsmitglieder erklärt hatte, sei im Vorfeld darüber niemand informiert worden. Von mangelnder Transparenz war die Rede. Vor allem auch deshalb, weil eine Fläche von knapp zehn Hektar der Familie des Ortsbürgermeisters gehört. Das sorgte für Verstimmungen. Im Ergebnis des Abends war eine Einwohnerversammlung gefordert worden. Die gab es nun am Donnerstag. Eingeladen hatte der Ortsbürgermeister Otto Benecke – moderiert wurde sie dann von Arendsees Bürgermeister Norman Klebe.

Leppin - Es wurde deutlich, dass nicht nur in Leppin, sondern auch in vielen anderen Orten über das Thema debattiert wird, ohne die wichtigste Grundlage zu besitzen: Das vom Land und Kreis geforderte Raumkonzept, das derzeit im Auftrag der Stadt erarbeitet wird. Die Problematik: Obwohl mit den Besitzern der bei Harpe und Leppin ausgewiesenen Flächen schon Pachtoptionsverträge geschlossen wurden, kann nicht sicher davon ausgegangen werden, dass diese Flächen auch so konkret entstehen werden. Die Gemüter in Leppin wurden von den Vertretern der Solarfirma beruhigt, indem sie erklärten, dass die Flächengröße jederzeit vergrößert werden könne, wenn der Bedarf vorhanden sei. Doch das wiederum könnte dadurch ausgebremst werden, dass die Vorgaben für die Errichtung der Solaranlagen nun konkreter gefasst sind: Von den 13 836 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche auf dem Gebiet der Stadt Arendsee können nur 692 Hektar mit Solaranlagen bebaut werden. Rund 120, so Norman Klebe, sind bereits realisiert oder in Planung. Das wiederum sorgte in Leppin für Unruhe. Denn warum dürften andere schon entstehen, während nun genau raufgeschaut werden müsse. „Wir sind, unter Beachtung der Transparenz, für Solarenergiegewinnung.

Wenn es diese fünf Prozent landwirtschaftlicher Flächen gibt, die nur bebaut werden dürfen, dann sollten alle Ortsteile irgendwie berücksichtigt werden“, forderte Ortschaftsrat Frank Krüger. Dass es nur Flächen sein können, die geringe Bodenpunkte haben, das fand in Leppin Zustimmung. Geklärt werden soll im Zuge der nun folgenden Diskussionen, ob es zusammenhängende Flächen oder Teilflächen geben soll. Eine Einwohnerin machte klar, was sie von den Diskussionen in den Orten hält: „Wir zäumen hier das Pferd von hinten auf. Wir diskutieren über Dinge, die vielleicht gar nicht realisiert werden“, sagte sie. Mangels des Konzeptes, auf das alle warten. Dass die Solarfirmen sich aktuell um Flächen bemühen und sich jede durch Vorverträge eine gute Ausgangsposition schaffen wolle, war in Leppin vermutet worden. Auf der einen Seite werde die Verwaltung mit Anfragen bombardiert, wie Klebe erklärte. 16 Anträge liegen derzeit vor. Auf der anderen Seite sind es verschiedene Solarfirmen, die mit Flächenbesitzern Einigkeit erzielen, um sich vor anderen möglichen Konkurrenten einen Vorteil zu verschaffen. Das passe so nicht zusammen, wie eine Mehrzahl der Menschen im Gemeindehaus befand.

Was selten ist, war in Leppin zu erleben. Es gab für den Ortschaftsrat Lob und Beifall, dass er die ersten Planungen mit den zwei Flächen nicht zustimmen wollte. Keiner habe das vorher gewusst, hieß es. Dass der Bürgermeister dennoch die Punkte auf die Tagesordnung hob, wurde kritisiert.

Die Einwohnerversammlung hatte zum Ergebnis, dass die Karten nun neu gemischt werden. Es werden weitere Interessenten erwartet, die Flächen für Solaranlagen verpachten möchten. Ein älterer Herr sprach aus, was seine Generation denkt: Dass der Bauernverbandschef von Sachsen-Anhalt vor zu viel Solaranlagen warnt und die Landwirte auffordert, mehr anzubauen, sei für ihn ein Widerspruch zu den aktuellen Diskussionen über Solaranlagen. Es gab in Leppin aber auch Wortmeldungen, in denen eine Zustimmung zu alternativen Energien eingefordert wurden. Die Besucher waren mehrheitlich dafür, aber alles müsse transparent sein. Vor vollendete Tatsachen, wie im jüngsten Ortschaftsrat, wolle man sich aber nicht stellen lassen.

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