Petra Schramm möchte ihren Zustellerjob bei der Altmark-Zeitung nicht missen

„Das ist für mich bezahlter Frühsport“

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Petra Schramm mag ihren Zustellerjob und will so lange weiter machen, wie es möglich ist. Ihr Areitstag beginnt zwar mitten in der Nacht, ist dafür aber auch am Morgen beendet.

Arendsee. Feierabend haben, wenn die Hähne früh morgens krähen: Dies erlebt Petra Schramm bei ihrer besonderen Arbeit. Als Zustellerin der Altmark-Zeitung kennt sie die Region wie ihre Westentasche.

Die Arendseerin betont, dass dies ein vollwertiger Beruf ist, den sie nicht mehr missen möchte. Mit dem Mindestlohn sind auch die nötigen Grundlagen geschaffen, dieser habe sich bewährt. Sie lässt aber nicht unerwähnt, dass auch sonnabends ausgetragen wird. Ihr Job, bei dem immer wieder neue Kräfte willkommen sind, ist abwechslungsreich. Die Seestädterin erlebt zudem kuriose Situationen. So zum Beispiel ein voll beleuchteter und laufender Pkw, der nachts mitten auf der Verbindungsstraße zwischen Leppin und Harpe stand. Der Fahrer schlief selig, die Polizei konnte nicht so einfach erreicht werden – kein Handyempfang im Wald.

Besonders verlief auch der Auftakt ihres Arbeitsverhältnisses bei der AZ. Eines Morgens gab sie in Salzwedel Bescheid, dass die Zeitung nicht im Kasten steckte. Schnell kam die Frage auf, ob sie nicht diese Arbeit erledigen möchte. Wenige Stunden später folgte ein persönliches Gespräch, abends erzählte sie dann ihrem überraschenden Mann Detlef: „Ich bin jetzt Zustellerin.“ Das war 1999. Bereut hat Petra Schramm diese Entscheidung nie. „Das ist für mich bezahlter Frühsport“, erzählte sie schmunzelnd. Ihr Mann ergänzt, dass er zunächst etwas skeptisch war, denn sehr früh aufstehen ist nicht immer so einfach. „Reine Gewohnheitssache, wenn ich nach Hause komme, gibt es eine Ruhephase und dann liegt der ganze Tag noch vor mir. Andere fahren dann zu Arbeit“, so die Arendseerin.

Morgens um 2.30 Uhr geht es los, für ihre Tour braucht sie dreieinhalb bis vier Stunden. Dies variiert, da zum Beispiel dienstags die Altmark-Woche mit ausgetragen wird. Petra Schramm kümmert sich um Genzien, Gestien, Harpe, Zehren und Höwisch. Sie ist vertretungsweise auch direkt im Luftkurort unterwegs. „Schön ist, dass die Zeitungen direkt zu mir nach Hause geliefert wird und Fahrten zu zentralen Stellen unnötig sind“, so die Seestädterin. Von dort geht es dann per Pkw zu den jeweiligen Abonnenten. Die Touren haben sich eingespielt, Listen geben eine Hilfestellung. „Nach einer Woche ist der Ablauf drin“, weiß Petra Schramm. Nötig ist hohe Konzentration, damit nichts schief läuft: „Man muss schon ausgeschlafen sein.“

Besonders freut sie sich, wenn ihre Arbeit von Lesern extra belohnt wird, persönlichen Kontakt gibt es immer wieder. Was die Briefkästen angeht, hat Petra Schramm so wie andere Zusteller auch, einen kleinen Wunsch für die Zukunft: „Es wäre super, wenn mehr Zeitungsröhren vorne an der Gründstückgrenze zum Beispiel am Zaun angebracht wären.“ Dies hat einige praktische Gründe. So gibt es kürzere Wege und eine schnellere Zustellung. Zudem sinkt die Unfallgefahr gerade im Winter. „Von den Grundstückeigentümern ist es natürlich nicht zu erwarten, dass sie so früh schon auf dem Grundstück streuen“, macht Petra Schramm deutlich.

Besondere Vorsicht ist immer gefragt: Der Wildwechsel nimmt mehr und mehr zu. Dabei hat die Arendseerin einen Tipp für alle Kraftfahrer: „Bei Wildunfällen bloß nicht aussteigen. Angefahrene Tiere können gefährlich werden.“ Dies gilt nicht nur für größere Exemplare wie Wildschweine, sondern auch bei Dachsen. Dieses Risiko hält Petra Schramm aber nicht von der Arbeit ab.

Von Christian Ziems

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