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Messkampagne zeigt: Grundwasser in Arendsee nach wie vor belastet

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Installation einer Temperaturlanze zur Messung des Grundwasserzustroms im Arendsee.
Installation einer Temperaturlanze zur Messung des Grundwasserzustroms im Arendsee. © Leibniz-Institut

Im Frühjahr hatte ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gemeinsam mit Studierenden der Humboldt-Universität Berlin Grundwasseruntersuchungen am Arendsee vorgenommen. Die Ergebnisse der Messkampagne liegen nun vor.

Arendsee – Ziel war es, eine Messkampagne aus dem Jahr 2012 zu wiederholen, um festzustellen, ob sich in den vergangenen zehn Jahren die Nährstoffeinträge in den See über das Grundwasser verändert haben. Wissenschaftler Jörg Lewandowski vom IGB resümiert: „Es gibt erstaunlich wenige Veränderungen. Die neuen Untersuchungen bestätigen die Ergebnisse aus 2012.“

Damals hatten die Forschenden festgestellt, dass das Grundwasser unter der Stadt sehr hohe Nährstoffbelastungen, insbesondere Phosphor, aufweist und mehr als die Hälfte der Belastung des Sees auf das Grundwasser zurückzuführen ist. Jörg Lewandowski erläutert: „Wir haben am Arendsee die ungünstige Situation, dass der stärkste Grundwasserzutritt aus der Richtung erfolgt, wo auch die Phosphat-Konzentrationen besonders hoch sind.“ Sein Kollege Christoph Reith ergänzt: „Das betrifft vor allem den Uferabschnitt vom Kloster bis zur Bleiche.“

Die höchsten Phosphor-Konzentrationen im zuströmenden Grundwasser lagen bei 3000 bis 5000 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich führt Lewandowski an: „Als natürliche Konzentration würde ich in diesem Grundwasser zehn bis 20 Mikrogramm pro Liter erwarten und im See Konzentrationen von 20 bis 30 Mikrogramm pro Liter anstreben.“

Derzeit hat der See Phosphor-Konzentrationen von etwa 170 Mikrogramm pro Liter. Das führt immer wieder zu unerwünschten Algenblüten, aber auch zu einem Verlust der Artenvielfalt.

Warum ist das Grundwasser unter dem Stadtgebiet so stark mit Nährstoffen belastet? Christoph Reith erläutert die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler: „Wir versuchen, möglichst viele Nährstoffquellen auszuschließen. Was dann übrig bleibt, ist die wahrscheinlichste Quelle. Phosphat kann in der Landwirtschaft über Gülle oder Mineraldünger in das Grundwasser eingetragen werden. Das können wir aber weitgehend ausschließen.“

Phosphat könnte auch aus Altlasten stammen. Jörg Lewandowski ergänzt: „Dann wäre eine große, breite Abwasserfahne im Abstrom dieser Altlast zu erwarten. Stattdessen haben die vielen Grundwasserproben von den Bürgern gezeigt, dass es viele Punktquellen in Arendsee geben muss. Dicht nebeneinander gibt es hohe und niedrige Konzentrationen.“

Eine weitere mögliche Herkunft von Phosphat ist die Düngung von Privatgärten. Das ist schwieriger auszuschließen. Ehemalige Sickergruben sind eine andere mögliche Quelle, ebenso eine undichte Abwasserkanalisation. Da in einigen Grundwasserproben 2012 Arzneimittelrückstände und Süßstoffe gefunden wurden, ist zumindest ein Teil der Nährstoffe im Grundwasser auf Kanalleckagen zurückzuführen.

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