„Die Menschen sind herzlich“

Mit einem guten Gefühl: Martin Goebel ist neuer Pfarrer in Arendsee

Pastor Martin Goebel mit der kleinen Marionette, die ihm seine Eltern 1995 zur Ordination schenkten.
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Pastor Martin Goebel mit der kleinen Marionette, die ihm seine Eltern 1995 zur Ordination schenkten.

Arendsee. Noch stehen Kartons in der Wohnung, noch ist nicht alles eingeräumt. Aber die ersten Kontakte sind geknüpft. „Mir sind die Menschen hier freundlich begegnet.

Sie haben mich erkannt, viele ein Wort mit mir gewechselt“, freut sich Arendsees neuer Pfarrer Martin Goebel. Seit Oktober wohnter in der Wohnung im Begegnungszentrum. „Ich habe nicht nur den Ort, sondern auch den Arbeitgeber gewechselt“, erzählt der Neue. Wie das? Die Antwort: „In Hessisch-Oldendorf, im Weserbergland, arbeitete ich für die evangelisch-reformierte Kirche, in Arendsee ist es die evangelische Kirche Mitteldeutschlands“, so der Geistliche. Die beruflichen Verbindungen seien gekappt, aber viele Bekannte und Freunde habe er dort noch. Doch Arendsee sehe er als Neuanfang. „Wir haben hier so viel Freundlichkeit, auch beim Einzug erfahren, so viel Hilfe, dass ich von einem großen Vertrauensvorschuss sprechen kann“, freut sich Martin Goebel. Mit „Wir“ meint er natürlich seine Ehefrau Andrea, die ihm Partnerin und Freundin ist und sich mit um den Eine-Welt-Laden kümmert, der sich derzeit wieder im Begegnungszentrum befindet. Geöffnet ist er übrigens dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr.

Der Pastor übernimmt die Kirchspiele Arendsee und Neulingen. Das sei übersichtlich, sagt er. Im Gegensatz zu seinem einstigen Wirkungskreis, wo er manchmal, wenn er jemanden besuchen wollte, vier Stunden Auto fahren musste. Die Gemeindekirchenräte begleiten ihn in seinem neuen Job – und sie stehen ihm auch zur Seite, wenn er auf Tour durch seine Dörfer geht. Erste Station wird Neulingen sein. Auch deshalb, weil am morgigen Sonntag Neulingen und Arendsee die ersten Stationen sind, in denen er Gottesdienste leiten wird. Am 27. November wird er dann offiziell eingeführt – ab 14 Uhr in der Johanniskirche. Dass es sogar schon einmal Überlegungen gab, die Johanniskirche zu verkaufen, das wusste er gestern noch nicht. „Das ist aktuell kein Thema, ich könnte mir aber vorstellen, dass in Absprache mit den Gemeindekirchenräten auch Veranstaltungen außerhalb der Kirche im Gotteshaus stattfinden können“, sagt er.

Spielt der neue Pfarrer ein Instrument? „Ja, Langspielplatte, Kassette, CD, MP 3“, scherzt er. Nein, in seinem Dorf war es nicht üblich, dass Jungen ein Instrument erlernten. Und später sei er zu alt gewesen. Aber Musik höre er gern. Rock der 70er- und 80er- Jahre, zudem auch Jazz. Zwei Konzerte habe er besucht: einmal eines der Gruppe Augenweide, und dann das mit Bruce Springsteen in Hannover. „Das war großartig“, schwärmte er gestern.

Vor dem Arbeitszimmer hängt eine Marionette. Die hatten ihm seine Eltern vor 21 Jahren zur Ordination geschenkt. Ein kleiner Pfarrer, mit schwarzem Haar. Der Geselle muss mit aufs Foto, und das ist gut so. Wie lange bleibt er in Arendsee? „Lange, hoffe ich“, sagt Martin Goebel.

Von Harry Güssefeld

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