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Marek Weiß neuer Stadtwehrleiter von Arendsee: „Das wird kein Spaziergang“

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Von: Detlef Güssefeld

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Ein Mann mittleren Alters in Feuerwehruniform.
Marek Weiß macht keinen Hehl aus seinen Plänen: Der künftige Stadtwehrleiter will die Organisationsstruktur der Arendseer Ortswehren umkrempeln. © Güssefeld

Noch ein, zwei Telefongespräche, dann hat Arendsees neuer Stadtwehrleiter Marek Weiß Zeit für ein Gespräch mit der AZ. Im Restaurant „Wildgans“ in Zießau betont er aber gleich zu Beginn, dass er zwar von der Mehrheit der Ortswehrleiter vorgeschlagen wurde, aber ob er offiziell ab dem 1. Juni sein Amt antritt, setzt den Beschluss des Stadtrates voraus.

Zießau – Auch wenn er daran glaubt, dass die neue Stadtwehrleitung aus ihm und seinen Stellvertretern Volker Prange und Harry Mattke bestehen wird, will er sich im Vorfeld noch nicht zu allen Details seiner Arbeit äußern.

Marek Weiß hatte im Vorfeld den Willen, diesen Job anzunehmen. Und er fühlte sich durch Gespräche mit Ortswehrleitern darin bestätigt. Die Unterstützung zeigte sich dann auch bei der Abstimmung. „Mit so überwältigender Zustimmung habe ich nicht gerechnet“, so der Kamerad der Zießauer Wehr, der noch Zugbereichsleiter des Bereiches II um Arendsee herum ist. Ab 1. Juni wird er diese Funktion nicht mehr ausüben, um sich voll auf die neue Aufgabe konzentrieren zu können. Im Gespräch fragt die AZ Marek Weiß, was er von der Aussage des scheidenden Stadtwehrleiters Hans-Joachim Hinze bei der Wahlversammlung vor Wochenfrist hält. Dort hatte Hinze erklärt, die Struktur der Feuerwehren in Arendsee müsse unter Beachtung der aktuellen Einsatzbereitschaft verändert werden. Bedeutet, Einheiten zu bilden, die den Anforderungen entsprechen. Noch direkter: Kleine Einheiten zugunsten effektiverer größerer aufgeben. Dieses Thema wurde bislang in Arendsee ausgespart. Obwohl, wie es immer hieß, die Kosten derart steigen würden, dass nach neuen Wegen gesucht werden müsse. Beispiele für Veränderungen gibt es aber genug: So erwähnte Hinze auch die Vorgänge im Wendland. Wie dort vor vielen Jahren die notwendigen Entscheidungen getroffen werden mussten.

Doch so neu sind die Überlegungen auch in Arendsee nicht. Die AZ verweist auf ein Gespräch vor einiger Zeit mit Marek Weiß als Zugbereichsleiter. Damals hatte er die Vision, die Wehren Zießau, Schrampe und Ziemendorf zu vereinen. Nun bestehen sie immer noch als eigenständige Einheiten. Marek Weiß wird diese Vison nun als Stadtwehrleiter weiter intensiver in den Vordergrund schieben. „Aber nicht ohne die Verantwortung und Mitwirkung der Verwaltung“, sagte er. Die hatte schon Pläne in den Schubladen, die Wehr Zießau und Schrampe in Schrampe unterzubringen. Doch für Marek Weiß ist das keine Option. „Dort ist kein Platz. Ich denke nicht nur an die Enge für die Kameraden, sondern auch an den Platz, den unsere sehr aktive, neu gegründete Jugendwehr braucht“, sagt er. In der Jugendwehr ist bereits das vollzogen, was im Kopf des neuen Stadtwehrleiters entstand. Die Ortswehren Ziemendorf, Zießau und Schrampe, alle drei ohne ausreichende Gerätehäuser, sollten ein neues Domizil in Zießau erhalten. Also in der Mitte der neuen Struktur. Marek Weiß ist sich sicher, dass die Wehren aus den drei Orten, die ihre Identitäten nicht aufgeben müssten, damit einverstanden sein würden, wenn man mit ihnen spricht. „Parallel dazu muss die Stadt eine Idee präsentieren, mit der sie die baulichen und investiven Voraussetzungen schaffen will“, so der künftige neue Stadtwehrleiter. Überzeugung auch diesbezüglich schaffe Vertrauen. „Wenn man den Männern und Frauen erzählt, dass ihre Gerätehäuser bald leer sind, dann gehen sie frustriert nach Hause. Weiß man aber, wo das neue Zuhause ist, dann ist es einfacher“, glaubt Weiß.

Im Falle Zießau müsse erst einmal investiert werden. Aber später müssten nicht drei, sondern nur noch ein Gerätehaus unterhalten werden. Auch die Aufwandsentschädigungen würden verringert, weil es nur noch eine Ortswehrleitung geben würde. Und wer glaubt, es gebe Streit um den Namen – auch dazu hat Marek Weiß eine Idee. Das Depot könnte zum Beispiel die Ortswehr Arendsee-Nord beherbergen. Mit den Gruppen Ziemendorf, Schrampe und Zießau. Dieses positive Beispiel bringt er aus der Feuerwehr Erkrath (Nordrhein-Westfalen) mit, in der er mal Mitglied war. Das alles sollen nicht mehr nur Gedankenspiele sein. Der Neue will auf die Tube drücken. Zu lange haben Verantwortliche diese Probleme aus vielen Gründen immer wieder verschoben. Ein Spaziergang wird es nicht, weiß er. Aber wenn die Verwaltung mitzieht und die Dinge wirklich verändern will, weil sie es auch aus Kostengründen muss, dann sei es leichter. Die AZ fragt Marek Weiß, ob die Zusammensetzung der Stadtwehrleitung – es sind nur Vertreter aus dem nördlichen Bereich der Stadt vertreten – ein Problem sein könnte in Bezug auf die Probleme der Wehren im Süden? Nein, sagt er. Auch aus dem südlichen Bereich habe er Stimmen bekommen. „Das ist Verantwortung und Ansporn zugleich. Wir sind eine Stadt mit über 20 Einheiten. Wir werden antreten, die Struktur moderner und straffer zu gestalten, um mehr Freiheiten für Investitionen zu haben“, erklärte Marek Weiß. Und man spürt, dass er genau das will. Wer ihn kennt, weiß, dass er fordern kann. Aber auch liefern.

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