Seesanierung: Wissenschaftler Dr. Michael Hupfer warnt vor Risiken

„Mai und Juni werden so richtig interessant“

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Das Messfeld vor dem ersten Aufbau am Ufer: Die Konstruktion wurde vom Sturm zerstört und wird wenn möglich repariert. Sie ist Bestandteil einer Untersuchung die klären soll, warum so viel Phosphor in den See gelangt.

Arendsee. Das Salzwedeler Umweltamt ist der Ansicht, dass die chemische Ausfällung des Phosphors, das der Alge als Nahrungsgrundlage dient, möglichst erst beginnen sollte, wenn die Ursachen klar sind (AZ berichtete).

Darauf reagiert nun Dr. Michael Hupfer: „Dies ist im Prinzip richtig. Aber die Ausfällung würde uns eine Atempause verschaffen.“ Im Gespräch mit der Altmark-Zeitung ging der Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) auf eine EU-Rahmenrichtlinie ein. Diese legt zum Beispiel fest, wann ein See als Badegewässer gilt. Bei der „blauen Perle“ sei es im vergangenen Jahr insbesondere bei den Sichttiefen teilweise „grenzwertig“ gewesen. Schuld daran ist die Entwicklung der Alge. Dabei spielen Jahreszeiten und Wetter eine Rolle.

„Mai und Juni werden so richtig interessant“, ist sich Dr. Michael Hupfer mit Blick auf die bevorstehende Algenentwicklung sicher. In diesen Monaten gedeiht sie am besten. Laut den Daten, die das IGB auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, war 2014 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in der Altmark. Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,9 Grad lag der Arendsee über dem deutschen Jahresdurchschnitt von 10,3 Grad. Die Wassertemperatur (gemessen in etwa 1,5 Meter Tiefe) lag im Durchschnitt bei 12,2 Grad. Der Höchstwert wurde mit 26,3 Grad am 20. Juli gemessen. Badefreunde konnten sich zwischen Juni und August über 49 Tage mit Wassertemperaturen über 20 Grad erfreuen.

Die Alge kann den Spaß trüben. Hauptaugenmerk liegt auf dem Phosphor und insbesondere die Grundwasserader unter der Stadt. „Wir wissen einfach nicht, wie viel noch kommt. Es kann sein, dass der Phosphorzufluss nachlässt oder noch zunimmt“, unterstrich Dr. Michael Hupfer.

Unterhalb des Gustav-Nagel-Weges – in diesem Bereich fließt das Grundwasser – gab es bis vor einigen Monaten ein Versuchsfeld. Doch dieses wurde bei einem Sturm zerstört, nur das Informationsschild steht noch. „Wir prüfen derzeit, ob das Feld zu reparieren ist. Es soll dann wieder auf den See gebracht werden“, so der Wissenschaftler. Diesmal allerdings als mobile Station, die sich nach belieben verschieben. Was passiert eigentlich, wenn sich die Phosphorfrage nicht klären lässt, wollte die AZ von Dr. Michael Hupfer wissen, „Theoretisch ist es möglich, das betroffene Wasser mit einer Barriere vom übrigen See zu trennen. Dort könnte es vom Phosphor befreit werden. Natürlich muss vorher die Kosten-Nutzen-Frage geklärt werden“, machte der Wissenschaftler zum Abschluss deutlich.

Von Christian Ziems

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