Das Lolli-Auto kommt jeden Donnerstag

Anita Oertelt, die 79-jährige Stammkundin, freute sich gestern auf den Tante-Emma-Laden auf Rädern. Als Birgit Wißwes Sohn Toni (Mitte) noch klein war, hatte er immer gesagt, er geht ins Lolli-Auto – und hatte sich einen Lolli stibitzt. Foto: Güssefeld

Arendsee. Es ist Donnerstag, 10.30 Uhr. Der mobile Tante-Emma-Laden von Birgit Wißwe aus Zehren macht Station am Gebäude für altengerechtes Wohnen an der Amtsfreiheit in Arendsee. Acht ältere Bürger, teils gehbehindert, freuen sich über den Service, der ihnen seit vielen Jahren geboten wird.

Unter den Bewohnern ist auch Anita Oertelt. Die 79-Jährige ist seit 17 Jahren an den Rollstuhl gebunden und bewohnt seit 2000 die Wohnung in Arendsee. Sie ist keine Altmärkerin, stammt aus Sachsen und, weil ihre Tochter in Arendsee wohnt, wollte sie nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr alleine sein. „Ich bin noch relativ selbstständig, mache mir morgens und abends mein Essen selbst“, so die sympathische ältere Dame. Dafür muss sie einkaufen – und weil das mit dem Rolli viel zu umständlich ist, freut sie sich donnerstags auf den mobilen Verkaufswagen von Birgit Wißwe. „Ich bekomme hier alles, was ich brauche. Und wenn es mal nicht da ist, dann gebe ich eine Bestellung auf und Birgit besorgt es mir“, so Anita Oertelt.

Die Verkaufsfahrerin ist ihre eigene Chefin. Dass sie gestern mit ihren Sohn Toni auf Tour ging, liegt daran, dass der junge Mann Ferien hat und erst am 1. September eine Lehre beginnt.

Ein Blick in den Verkaufswagen zeigt, dass die Grundnahrungsmittel alle vorhanden sind. Butter, Käse aus Drüsedau, Wurst aus Seehausen, Brot aus Salzwedel – viele Produkte aus heimischer Produktion gehören ebenso dazu wie spezielle Ostprodukte. Darunter Burger Knäcke und auch Nordhäuser Doppelkorn. Immer frisch ist das Obst und Gemüse, das ihr morgens um 4 Uhr an die Haustür im kleinen Zehren angeliefert wird.

Die Männer und Frauen an der Amtsfreiheit haben sich an den Service gewöhnt, richten ihre Einkäufe darauf ein. Und verraten noch ein Geheimnis: Wenn nämlich doch etwas vergessen wurde, dann besteht montags noch eine weitere Gelegenheit: Dann kommt Birgit Wißwe zum Altenheim nebenan. „Dann muss ich nur aus dem Fenster rufen“, verrät Anita Oertelt. Nach einer Weile erfährt die Altmark-Zeitung aber noch weitere Details der Serviceleistungen. Ja, es sei schon vorgekommen, dass die nette Verkäuferin Erdbeeren geputzt und Spargel geschält hat. „Das ist ein kleiner Service für meine Stammkunden, ich habe auch in anderen Orten schon Pferde eingefangen und Schnee gefegt“, erklärt Birgit Wißwe. Und sie wiederum bedankt sich bei Frauen wie Anita Oertelt, die auch mal ihre Toilette zur Verfügung stellen, wenn die Blase drückt. „Wir sind alle eine Familie geworden.

Anita Oertelt hat dennoch einen Wunsch. Sie möchte gern mal zum Einkaufen ins Kaufland Wittenberge. Birgit Wißwe und der AZ-Reporter haben es versprochen: Im September gehts in die Stadt an die Elbe.

Von Harry Güssefeld

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