Im Kupfer-Gehäuse der Johanniskirche waren Zeitungen von 1882 / Buch über Friedrich Wilhelm

Kugel mit glattem Durchschuss

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Steffen Bensch (l.) und Peter Stark entfernten gestern Kugel und Kreuz von der Johannisturmspitze. Die Arbeit in 30 Meter Höhe ist für die Dachdecker kein Problem. 

Arendsee. Den Aufstieg zur Spitze der Johanniskirche in Arendsee wagten gestern Morgen bei Minus 1,3 Grad und Nordostwind der Stärke 3 rund zehn Personen – Ziel war, das Kreuz und die Kugel vom Turm zu holen.

Die Aktion gestaltete sich schwierig, weil die Bauteile stark verrostet waren. Mit einem Winkelschleifer gelang es Peter Stark und Steffen Bensch von der Dachdeckerei Bensch, die Bauteile zu trennen und vom Turmdach nach unten zu holen – mittels eines Bauaufzuges. Die vielen Treppen des Gerüstes mussten die Schaulustigen, unter ihnen Pastorin Sandra Trottner und Bürgermeister Norman Klebe, dann wieder allein runter.

Das Geheimnis um den Inhalt der Kugel, die tatsächlich einen Durchschuss aufweist, wurde schnell gelüftet. Druckschriften befanden sich darin, unter anderem je ein Exemplar des Osterburger Kreisblattes und der Magdeburgischen Zeitung, beide vom 2. September 1882. Zudem entnahmen Mitglieder des Gemeindekirchenrates auch eine Art Enzyklopädie, ein Buch über Friedhelm Wilhelm III. und eine Handschrift, bei der es sich um eine Art Spendenliste handelt. Was mit dem Inhalt passiert, ist noch nicht klar, so Pastorin Trottner. Erst einmal werden Fachleute der Landeskirche ihn unter die Lupe nehmen, vielleicht wird er aber auch wieder in die Kugel gelegt, bevor sie nach der Restaurierung wieder die Spitze der Johanniskirche ziert. Gemeinsam mit dem Kreuz, das ebenfalls überarbeitet wird.

Die Aktion gestern steht in Zusammenhang mit der Erneuerung des Turmes. Grundlegend muss das Tragwerk saniert werden, erklärten gestern die Vertreter des Unternehmens Gnoth aus Ritze. Schiefer wird zum Abschluss angebracht, so dass der Turm in neuem Glanz erstrahlen kann und nicht mehr krumm steht.

Was in Zukunft mit der Kirche passiert, ist offen. Dr. Eberhard Bürger, Vorgänger der Pastorin Trottner, hatte gemeint, dass sich die Kirchengemeinde nicht zwei Gotteshäuser leisten könne. Gestern machte die Idee von einer Kunst- und Kulturhalle die Runde, eventuell im Besitz von Vereinen oder der Kommune. Sandra Trottner wollte davon gestern aber nichts wissen: „Darüber denken wir derzeit nicht nach, Vorrang hat die Sanierung der Kirche.“ Sie selbst war Ostern 2012 anlässlich ihres Dienstantrittes in der Seestadt in der Johanniskirche eingesegnet worden.

Wann die Bauarbeiten an der Stadtkirche abgeschlossen sind, wurde gestern nicht klar definiert. Das Gerüst ist am Boden durch Bauzäune abgesperrt worden. Eltern sollten ihre Kinder darauf hinweisen, dass das Spielen in dem Bereich gefährlich ist, so die Bauleute.

Von Harry Güssefeld

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