Vom Aussterben bedrohte Schlangenart bei Arendsee wiederentdeckt

Kreuzotter zurück in der Altmark

Die Kreuzotter steht auf der „Roten Liste“ bedrohter Tierarten. Bei Arendsee wurde sie jetzt wieder gesichtet. 
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Die Kreuzotter steht auf der „Roten Liste“ bedrohter Tierarten. Bei Arendsee wurde sie jetzt wieder gesichtet.

pm Arendsee/Altmark – Der Bestand der Kreuzotter (Vipera berus) hat sich in den vergangenen 100 Jahren um 50 bis 70 Prozent verringert.

Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, auf den jetzt der BUND Sachsen-Anhalt hingewiesen hat – wobei lokale Bestandseinbußen sogar noch deutlich höher liegen können. Auf der aktuellen „Roten Liste“ für das Bundesland Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2020 gehört die Kreuzotter zu den vom Aussterben bedrohten Arten, und auch bundesweit wird sie als stark gefährdet eingestuft.

Umso bedeutender ist daher jetzt der Fund einer Kreuzotter am Prezeller Weg in der Nähe von Arendsee durch Jürgen Starck, der den BUND in diesem Abschnitt des Grünen Bandes tatkräftig bei der Suche nach den seltenen Tieren unterstützt.

Für den BUND ist die aktuelle Sichtung ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der Aufwand der Artenhilfsmaßnahmen auszahlt. Dazu gehören sichere Versteck- und Sonnenplätze, die geschützt vor Wildschweinen angelegt werden. Diese Maßnahmen werden seit 2019 von der Koordinierungsstelle Grünes Band des BUND Sachsen-Anhalt im Rahmen des Landesprogramms „Artensofortförderung“ durchgeführt. Das Projekt läuft bis Ende 2021, und der jetzige Fund einer vom Aussterben bedrohten Kreuzottern ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Bemühungen am Grünen Band wirken.

Besonders bedeutend wird der Fund dadurch, dass in allen anderen Untersuchungsgebieten in der Altmark bisher keine Nachweise der Kreuzotter erbracht werden konnten. Dies trifft auch auf die Gebiete zu, die in der Vergangenheit als Fundpunkte der Vipern bekannt waren. Dies verdeutliche nochmals die desperate Situation dieser Reptilienart, so der BUND.

Prekäre Situation

Die gefundene Kreuzotter gehört mit ihren etwa 25 Zentimeter Länge zu den Jungtieren. Erwachsene Kreuzottern erreichen eine Durchschnittslänge von 50 bis 70 Zentimeter. Die Schlangen werden in freier Natur acht bis zwölf Jahre alt. Die Nachkommen werden von den Weibchen im August lebend geboren, wobei ein Wurf in der Regel fünf bis zehn Junge umfasst. Die Färbung der Tiere passt sich stark ihrer Umgebung an, sodass von silbergrau und gelb über hell- und dunkelgrau, braun, blaugrau, orange, rotbraun und kupferrot bis schwarz jede Färbung möglich ist. Die Weibchen sind dabei meist braun, rötlich oder beige mit dunkelbraunem Zick-zack-Band.

Mit ihrer besonderen Fähigkeit, ihre Rippen aktiv abzuspreizen und ihren Körper dadurch zu verbreitern, um eine größere Fläche für die Wärmeaufnahme beim Sonnen zu schaffen, hat sie sich einen sehr großen Lebensraum erschlossen.

Die Kreuzotter besitzt von allen Vipern das nördlichste Verbreitungsgebiet. Sie fühlt sich dabei am wohlsten in Gebieten mit starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchtigkeit. Bevorzugt werden strauchreiche Waldschneisen, Moore, Heiden, feuchte Niederungen und vergraste Kahlschläge mit reichlich Totholzanteil. Obwohl Deutschland ganzflächig im europäischen Verbreitungsgebiet liegt, fehlt die Art im mittleren Westen und weist auch im mittleren Ostdeutschland zum Teil große Verbreitungslücken auf.

Die Tiere sind tagaktiv mit Sonnenbädern vor- und nachmittags, und obwohl es sich um eine Giftschlange handelt, gelten sie als für den Menschen ungefährlich. Von Oktober/November bis März April fallen sie in eine Winterstarre. Ab März bis Mai finden dann Paarung und Häutung in den Frühjahrsquartieren statt.

Mangel an Futtertieren

Auf seinen Wanderungen durch die Gegend, in der er die Kreuzotter jetzt nachgewiesen hat, begegnet Jürgen Starck auch immer wieder den von der Kreuzotter bevorzugten Futtertieren, wie Mäusen, Eidechsen und Fröschen. Leider ist die Anzahl dieser Futtertiere nicht so hoch, wie man es wünschen würde. Daher sei es laut BUND wichtig dafür zu sorgen, dass sich der Bestand dieser Arten am Grünen Band wieder erhöht, damit sich auch die Viper in diesem Biotop noch weiterverbreiten kann.

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