An Tradition wird gerüttelt

Kläden: Wie ein Virus einen Karnevalsverein derzeit richtig traurig macht

Aus guten Zeiten: Derzeit wird die Hoffnung auf normalen Karneval getrübt.
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Aus guten Zeiten: Derzeit wird die Hoffnung auf normalen Karneval getrübt.

Kläden – Traurig, aber wahr. Auf der Internetseite des Klädener Karnevalsvereins steht unter der Rubrik „die nächsten Termine“ --- keine. Im Normalfall würde es im Ort nicht mehr ruhig sein.

Das Karnevalsfieber ginge um – nun ist es ein Antivirus, ein Virus, das diesem Karnevalsvirus extrem zusetzt.

Denn erstmals seit 1952 könnte es keinen Karneval wie sonst geben. Auch wenn das Wort „Tradition“ heutzutage für alle möglichen Veranstaltungen missbraucht wird – der Klädener Karneval ist Tradition. Eine Institution, eine Einrichtung, mit der sich die beiden Orte Kläden und Kraatz identifizieren. Vom 11. November bis in den März hinein dreht sich alles um den Karneval. Drehte sich bislang.

Auch wenn am 11. November 2020 allen Beteiligten klar war, dass es problematisch wird, den nunmehr 67. Karneval stattfinden zu lassen, wurde die fünfte Jahreszeit gebührend eingeläutet. Zwei Familien übernahmen den offiziellen Part (wir berichteten). Sogar der Schlüssel aus Arendsee war dabei – er sei per Post gekommen, hieß es. Wer den Schlüssel hat, der hat das Sagen.

„In Arendsee wird gedacht, in Kläden wird gemacht“, hieß es am Rande der Veranstaltung. Das Sektglas wurde erhoben, um 11.11 Uhr wars dann, als angestoßen wurde, und noch ein wenig Hoffnung auf Karneval aufkeimte. Die Hoffnung zerstob im Dezember. Der Lockdown begann über die Region zu ziehen und sollte im Januar noch einmal verschärft werden. Undenkbar deshalb, dass auf Hoffmanns Saal die Narren ausgelassen feiern. Kussfreiheit, die zum Karneval dazugehört, erscheint schon jetzt als Fremdwort, angesichts des Abstandsgebotes. So kann kein üblicher Karneval gefeiert werden, sind sich die Macher in der Karnevalshochburg einig.

Seit 1952 gab es alljährlich dieses Spektakel in Kläden. Stolz waren die Macher, stolz auf etwas Eigenes, das Köln nicht als Beispiel brauchte. Es war der ureigenste Karneval, keine Kopie. Speziell waren die Spiel- und Wortbeiträge, die das Leben im Ort beleuchteten, später auch die Verwaltung in Arendsee auf die Schippe nahmen. Total lokal, würde der Kenner sagen. Der 13. Karneval drohte zu scheitern, die Männer des Elferrates streikten und so zogen die Frauen auf die Bühne. Und retteten die Szenerie.

Schon im nächsten Jahr war wieder alles im Lot. Denn spätenstens dann war allen klar, dass der Karneval fast gescheitert wäre. Im Februar 2021 wird es still sein in Kläden. Man wird in den Stuben sitzen, vielleicht wieder mit einigen Leuten mehr, um Lieder zu singen und zu hoffen, dass es 2022 wieder ein „Kläden und Kraatz, Imi-Ata“ geben wird. Auf Hoffmanns Saal. Die Trauer um den verlorenen Februar-Karneval ist in Kläden groß. Der Elferrat ist aber nicht bereit, einen Abgesang anzustimmen. Nein, das sei eines Karnevalisten nicht würdig. Ersatzveranstaltungen, wenn der Virus im Frühsommer verschwunden sein soll, könnten geplant werden. Klädens Karnevalisten feiern üblicherweise im Februar. Und noch einmal im März, wenn der KKC Gastgeber für hunderte feierwütige Frauentagsenthusiastinnen ist. Ab sofort scheint alles anders. Man bleibe im Gespräch, hieß es gestern.

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