Einwohner von Höwisch trafen sich auf ihrem neuen Mehrgenerationen-Platz

Kerzen und Pavillon als Zeichen der Hoffnung

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Die kleine Jennifer schnitt das Flatterband durch und gab so den Pavillon frei. Geholfen hatten ihr Peter Nilson (l.) und Jens Förster.
  • Detlef Güssefeld
    VonDetlef Güssefeld
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Das kleine Dorf Höwisch hat ein Problem: Es gibt viele ältere Einwohner, aber zu wenig Kinder im Ort. Und deshalb bekommt der Platz neben dem Dorfgemeinschaftshaus nun die Bedeutung eines Mehrgenerationenplatzes. Und seit Freitagabend auch offiziell mit zwei Neuerungen: Mit einem Pavillon, der gegen Wind und Regen schützt sowie einem Feuerplatz, auf dem das kleine Feuer am Freitag loderte. Der Ortschaftsrat und Heimatverein hatten zu einem Glühadvent eingeladen.

Höwisch - Natürlich unter Coronabedingungen. Aber man wollte damit auch ein Zeichen setzen, dass das verordnete Zuhausebleiben das eine, aber der Wunsch nach einem, wenn auch etwas anderem Dorfleben, das andere ist. Ortsbürgermeister Frank Schumann wusste um die Gratwanderung. Und trotzdem begrüßte er rund 40 Männer, Frauen und Kinder. Die recht wohl wussten, wie man sich verhalten muss. Aber das Licht des Feuers und der Kerzen sowie der Glühwein hatten etwas Magisches. Plötzlich bekam das alles eine andere Bedeutung. Oberflächlichkeiten waren einmal. Deutlich wurde die Sehnsucht nach sonst Alltäglichem.

Die beiden neuen Projekte, die Feuerstelle und der Pavillon, konnten im Rahmen der Sponsoring-Vereinbarung zwischen dem Heimatverein Höwisch und dem örtlichen Windpark-Betreiber „Bürgerenergie Windpark Gagel GmbH & Co. KG“ realisiert werden. Der Pavillon bietet ohne Corona-Auflagen 16 bis 18 Personen Platz. Beide Projekte hatte der Ortschaftsrat beim Heimatverein beantragt. Der geplante Kostenumfang beträgt insgesamt rund 5000 Euro.

Zum „Glühadvent“ packten alle mit an

Der Pavillon wurde von zwei Personen des Lieferanten aufgebaut und die Feuerstelle von der Arendseer Firma Lahmann gepflastert. Dann erhielt das Holzgebäude im Rahmen eines kleinen Arbeitseinsatzes des Heimatvereins einen Wetterschutz-Anstrich. Zuvor war die Grundierung aufgetragen worden.

Nun konnte die Einweihung am Freitagabend im Rahmen des „Höwischer Glühadvent“ in kleiner Runde für Einwohner des Dorfes erfolgen. Die Veranstaltung fand im Freien statt. Und Frank Schumann konnte weitere Vorhaben nennen: An Stelle des alten Schuppens, der abgerissen worden war, sollte einst ein Container aufgestellt werden. Von der Idee, so Schumann, habe man sich verabschieden müssen. Der Hersteller konnte nicht liefern, und die Kosten stiegen bei jeder Absprache neu. Schließlich waren es fast 16 000 Euro, hieß es. Statt des Containers könne dort eine Art Bungalow entstehen. Und in ferner Zukunft wird auch an eine Sanierung der in die Jahre gekommenen Bushaltestelle gedacht.

Diese Damen hatten sich als Weihnachtsfrauen auf dem Weg zum Glühadvent gemacht.

Nach den Worten des Ortschefs sprach sein Vize, Peter Nilson, als Vertreter des Heimatvereins zu den Gästen: Er dankte den Sponsoren und den Menschen aus dem Ort, die ihre Freizeit opferten, um den Pavillon in Schale zu bringen. Offiziell wurde es auch: Die kleine Jennifer schnitt das rot-weiße Flatterband durch und gab somit den Pavillon frei. Dann feierten alle etwas, wenn auch leiser. Auch Gäste aus Neulingen und Gagel waren dabei, freute sich Frank Schumann.

Am Rande der Veranstaltung wurde dennoch daran erinnert, dass nicht alle Höwischer die Freude über das Erreichte teilten. Und die Hoffnung wurde geäußert, dass vielleicht irgendwann der dörfliche Friede wieder einkehrt und alle Höwischer wieder miteinander feiern können.

Kerzenlicht als Zeichen der Verständigung

Stolz sind die Höwischer auf ihr Corona-Gemeinschaftshaus, den Pavillon. Der auch dann genutzt werden kann, wenn in Innenräumen nichts passieren darf. Der Busfahrer, der vorbeifuhr, hupte laut. Sicherlich, weil er das Kerzenlicht auch als Zeichen der Freude und Verständigung empfand.

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