Danny Weber ärgert sich fast jeden Abend über Badegäste, die nicht gehen

„Kein schönes Gefühl, Rausschmeißer zu sein“

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Danny Weber ist Schwimmmeister im Arendseer Strandbad. Schön wäre es, wenn die Badegäste die Öffnungszeiten beachten würden, sagt er. Doch fast jeden Abend muss er sich über einige ärgern, die der Aufforderung zum Gehen nicht folgen.

Arendsee. Danny Weber, Schwimmmeister im Arendseer Strandbad, ist theoretisch eigentlich zu beneiden.

Ein Platz an der Sonne, ein Job im Freien, ein eigenes Ferienhaus (sprich Schwimmmeisterhäuschen) und hunderte Badegäste um sich herum, die fröhlich ihren Urlaub oder ihre Freizeit dort verbringen. Soweit die Theorie. Nur manchmal, abends, überkommt ihn das komische Gefühl. Denn er muss wieder dafür sorgen, dass nach Schließung des Bades alle Gäste die Anlage zu verlassen haben. Auch, weil die Toiletten dann zu sind.

Warum? Aus versicherungstechnischen Gründen, wie Sonja Nowak von der Luftkurort-Arendsee-GmbH immer wieder predigen muss. Wenn Anfragen von Badegästen kommen, die das alles nicht verstehen. Sie wollen sitzen bleiben bis zum schönsten Sonnenuntergang in der Altmark und ihr Bier trinken – da kommt ihnen die Aufforderung des Schwimmmeisters wie eine Störung vor. „Doch ich bin angewiesen, das Bad zu den angegebenen Schließzeiten dichtzumachen, ohne dass sich noch Leute auf dem Gelände der GmbH befinden“, erzählt er der AZ. Zu Fuß geht er dann die Plätze ab, an denen noch Badegäste sitzen – und fordert sie höflich auf, das Bad zu verlassen. Zum FKK-Strand fährt er mit dem Boot, „Wir haben meistens Probleme mit den Einheimischen, nicht mit den Urlaubern. Letztere verstehen das und sagen, dass sie sich freuen, morgen wiederzukommen“, so der Schwimmmeister. „Wenn der Abend kommt, bekomme ich oft Bauchschmerzen“, so Danny Weber. Nicht, dass er sich nicht durchsetzen kann – klein und schwach ist er nicht. Aber es gehe darum, freundlich zu bleiben. Auch bei Anfeindungen und Drohungen, wie er sie bereits erlebt habe.

Das Problem mit den Öffnungszeiten ist auch deshalb ein Problem, weil die GmbH auf die Interessen der Badegäste reagieren will – denn die Kernöffnungszeit ist von 10 bis 18 Uhr. „Es ist klar, dass wir bei der großen Hitze jetzt länger öffnen. Bis 19 Uhr heute, in der Hauptsaison bis 20 Uhr“, sagt der Mann vom Fach gestern. Und weiß, dass die Leute dies zwar im Schaukasten sehen, sie aber dennoch diskutieren. „Wenn dort 19 Uhr steht, dann ist das so“, sagt der Schwimmmeister. Er sei der Buhmann, obwohl er auch nur Angestellter ist. Es gibt nur diesen einen Schwimmmeister, und dieser arbeitet sieben Tage die Woche, neun bis zehn Stunden. „Mehr geht nicht“, heißt es.

Die Kritiker werfen der Stadt vor, sie würde Urlauber verprellen. Doch die seien es nicht, die kein Verständnis aufbringen, bestätigt Danny Weber noch einmal. Und erklärt auch, warum keine Leute nach der Schließung mehr im Bad sein dürfen: Es geht um Vandalismus an den Anlagen, um Unfälle, für die die GmbH verantwortlich gemacht wird. „Dann sollen sie die Zäune abreißen, mit freiem Eintritt“, hört Danny Weber oft. Aber solange muss er dafür sorgen, dass abends alle raus sind.

Von Harry Güssefeld

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