Arendsee gedenkt am Sonntag dem 60. Todesjahr von Gustav Nagel

Kein Kostverächter

Die von Nagel selbst gebaute Kurhalle ist noch gut erhalten.

Arendsee. Vor 60 Jahren ist Gustaf Nagel gestorben. Aus diesem Anlass veranstaltet die Stadt Arendsee am Sonntag, 1. April, ab 15. 15 Uhr im Ferienland Arendsee auf Initiative der Nagelforscherin Christine Meyer eine Gedenkfeier.

Die beiden Söhne von Gustaf Nagel, Johannes und Gottfried, beide wohnhaft in Gartow, wollen zu der Feier kommen.

Noch immer erinnern sich Altmärker an Gustaf Nagel und seine Wanderungen durch die Region. Er war darüber hinaus mit den Heilungsversuchen der verschiedensten Krankheiten verbunden. Alles auf natürlicher Basis. Vornehmlich durch Kaltwaschungen und gesunder Ernährung, wie sie auch Pfarrer Kneipp seinerzeit propagierte.

Gustaf Nagel war dreimal verheiratet. Fest steht aber, dass er vor, während und zwischen seinen Ehen kein Kostverächter war. Obwohl er sonst den Genuss von Fleisch ablehnte, so war er doch nicht frei von Fleischeslust. Viele noch existierende Liebesbriefe unterstreichen seinen Drang zum anderen Geschlecht. In seinem Tempelgarten am Arendsee standen reihenweise Phallussäulen, als weibliche Gegenstücke Lotosblüten. Kunstwerke, die an den Garten Eden und an die freie Liebe erinnern sollten.

Seine spartanische Lebensweise und sein armseliges Auftreten ließen ein geringes Einkommen vermuten. Hinzu kam noch, dass er sich bei seinen Auslandsreisen von den deutschen Konsulaten Geld für die Rückreise erbat. Aber es muss auch üppige Zeiten gegeben haben, war er doch im Jahre 1929 der bedeutendste Steuerzahler Arendsees. Seine Einkünfte erzielte er neben seinen Heilspredigten, dem Verkauf seiner Schriften und nicht zuletzt aus dem Verkauf des Obstes und deren Säfte aus seinem Garten. Sein erstaunlicher Geschäftssinn machte ihn zu einem Manager der ersten Stunde.

Während er dort Fingerspitzengefühl bewies, fand er keinen Weg, um mit den Regierenden auszukommen. Weder Kaiser-, Drittes Reich noch DDR waren in seinem Sinne. Er war bis 1944 im Konzentrationslager Dachau. Nagel starb am 15. Februar 1952 in Uchtspringe.

Von Gustav Günther

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