Arendsee schaut nach großer Euphorie in die Röhre / Altmarkkreis bedacht

Kein Geld von SED und Massenorganisationen

+
Barrierefreie Zugänge ins Strandbad – auch das war ein angedachtes Projekt, das eventuell aus Mitteln der ehemaligen SED und weiteren Organisationen realisiert werden sollte. Doch kein einziges Arendseer Projekt wurde in Magdeburg berücksichtigt. 

Arendsee. Nach der politischen Wende hatten die Parteien und Massenorganisationen Geld auf der hohen Kante. Im Einigungsvertrag war unter anderen geregelt, dass das Vermögen einer gemeinnützigen Verwendung, „insbesondere zur wirtschaftlichen Umstrukturierung, im Beitrittsgebiet zuzuführen ist.“

Aus diesem einstigen Vermögen wurde Sachsen-Anhalt mit 35 Millionen Euro bedacht. 

Im Vorfeld hatte auch Arendsee die Hoffnung, vom großen Kuchen etwas abzubekommen. In Windeseile mussten mögliche Projekte benannt werden. „Wir haben sicherlich einige Dinge aufgeschrieben, die von vornherein keine Chance hatten. Aber das es nun so kommt, das ärgert mich schon“, so Arendsees Wirtschaftsausschussvorsitzender Jens Reichardt. Und weiter: „Insgesamt bekommen die neuen Länder und Berlin 185 Millionen Euro. Und die Region Arendsee nicht einen Euro.“

Und der Wunschzettel Arendsees hatte es in sich. Vor allem Projekte, für die auf lange Zeit kein Geld zur Verfügung stehen wird, wurden aufgeführt. So wünschten sich die Seestädter unter anderem, mit dem Geld der einstigen Genossen das Freilichttheater im Klosterhof gestalten zu können. Des Weiteren wäre, hätte man Arendsee bedacht, vielleicht Geld in die Sanierung des Seeweges geflossen. Oder das Sanitärgebäude auf dem Campingplatz hätte endlich eine vernünftige Heizung bekommen, des Weiteren war an einen barrierefreien Zugang zum Strandbad gedacht. Sogar die Ortsteile wurden berücksichtigt: So hätte in Mechau vielleicht bald eine neue Zuschauertribüne gestanden. Auf der Wunschliste stand auch der Ausbau des Kurgebietes – seit dem Bau des Mutter-Kind-Kurheimes ist nichts mehr passiert.

Die Hoffnungen sind zerplatzt, es gibt kein Geld. Da mag auch die Tatsache, dass der Altmarkkreis Salzwedel für den Ausbau des Radverkehrsleitsystems Geld bekommt, die Arendseer nicht trösten. Und vielleicht bekommt Arendsee an der Klosterkirche kostenloses WLAN – denn die 80 Baudenkmale der Straße der Romanik sollen mit Internet versehen werden.

„Ich bin echt sauer“, so Reichardt. Man hatte Arendsee Hoffnung gemacht, „und bei 85 Millionen Euro hätte man nicht wie immer allein den Süden des Landes überdurchschnittlich fördern müssen.“

Die Ernüchterung in Arendsee ist groß. Denn von SED und Co. profitiert die Stadt Arendsee definitiv nicht.

Von Harry Güssefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare