Sachsen-Anhalts Innenminister sah sich nachdenklichen Lehrerinnen in Arendsee gegenüber

Kein Blatt vorm Mund –Stahlknecht hört zu 

Beim SV Arendsee: Thomas Schlicke (v.l.), Holger Stahlknecht, Carsten Borchert und Vereinschef Martin Retzlaff.
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Beim SV Arendsee: Thomas Schlicke (v.l.), Holger Stahlknecht, Carsten Borchert und Vereinschef Martin Retzlaff.

Arendsee – Es war gestern 9.30 Uhr, als die schweren Karossen an der Theodor-Fontane-Schule in Arendsee vorfuhren.

Kinder der Theordor-Fontane-Schule überzeugten mit einem Programm. Rechts Minister Stahlknecht. FotoS (2): Güssefeld

Es war der erste Termin, den Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht absolvierte, begleitet vom persönlichen Referenten Mathias Stempor und Landtagsabgeordneten Carsten Borchert. Schulleiter Thomas Schlicke – in freudiger Erwartung der Entscheidung aus Magdeburg, dass die Schule Ganztagsschule wird – wurde nicht müde, die Offiziellen aus Magdeburg an seiner Vorfreude teilhaben zu lassen. In der Sporthalle hatten Schüler ein Programm einstudiert – der Minister zeigte sich beeindruckt, dankte den Kindern und lobte die Schule mit ihren Anlagen – so auch den Sportplatz, der 2016 saniert wurde.

Zu wenige Lehrer

Doch er war auch froh, wie er kurz betonte, dass er kein Bildungsminister sei. Grund dafür waren die Aussagen einiger Lehrerinnen während einer Gesprächsrunde: Nachdem der Schulleiter darauf verwiesen hatte, dass der Unterricht im kommenden Schuljahr nur noch zu 80 Prozent sichergestellt werden kann, weil Lehrkräfte fehlten, begann die Ursachenforschung. Lehrer würden lieber in den Westen gehen, aber in die Altmark schon gar nicht kommen, hörte der Minister. Und Schlicke ergänzte, dass seine jüngste Lehrerin ganze 48 Jahre alt ist.

Klare Worte

Carmen Wenisch, eine der älteren Kolleginnen, wurde deutlich: Früher hätten Kinder die Lehrer gegrüßt, heute sei es umgekehrt – und es komme oft nichts zurück. Pünktlichkeit sei oft ein Fremdwort, und man könne in den Elternhäusern früh nicht anrufen, „weil zum Schulbeginn viele noch schlafen“. Die Bezahlung der Lehrkräfte sei nicht schlecht, aber ungerecht. Weil jüngere besser bezahlt würden, nur um sie zu bekommen.

„Der Staat kann keine Erziehung übernehmen“, sagte Stahlknecht angesichts der bestehenden Persönlichkeitsrechte. Aber er forderte, dass „Autoritäten anerkannt werden“. Carsten Borchert möchte erreichen, dass der Lehrermangel durch ein Landes-Stipendium an die, die sich nach dem Studium für einen Arbeitsplatz in Sachsen-Anhalt verpflichten, ausgezahlt wird. Gegen die Abwerbung von Lehrern aus anderen Ländern sprach sich Lehrerin Katrin Kleemeyer aus: „Wir schaden den Ländern dadurch sehr und stopfen Löcher auf deren Kosten.“

Dank der Fußballer

Nach einem Gespräch mit Schülern ging es auf den Sportplatz Harper Weg. SV-Arendsee-Chef Martin Retzlaff zeigte das teilsanierte Vereinsheim und dankte für die rund 50.000 Euro an Fördermitteln, die die Arendseer so nötig gebraucht hatten. Mit einem Wunsch verabschiedete Retzlaff die Abordnung aus Magdeburg: Ein Kunstrasenplatz stünde dem Verein gut, sagte er.

Weiter ging es zum Arendseer Regattaverein nach Schrampe. Der Minister segelte auf dem Jollenkreuzer von Heiko Seifert und der Skipper legte das Boot so richtig in den Wind. Nicht geplant war dann noch ein Kurzabstecher ins Kindererholungszentrum. VON HARRY GÜSSEFELD

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