„In 1,80 Meter Tiefe ist noch Dürre“

Kassuhner Hartstock GbR erwartet durchschnittliches Jahr auf den Feldern

Ein Kartoffelacker bei Büssen
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Ein Kartoffelacker bei Büssen: Der viele Niederschlag der jüngsten Zeit war willkommen; die recht kalten Bodentemperaturen verzögerten das Wachstum.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Ein durchschnittliches bis gut-durchschnittliches Jahr für die Landwirtschaft erwartet Christian Bönki für 2021. Der Betriebsleiter der Hartstock GbR in Kassuhn / Büssen sieht Getreide und Raps auf einem guten Weg; Mais sei mindestens eine Woche zurück, auch die Kartoffeln hätten nach den zum Teil kalten Bodentemperaturen einen verhaltenen Start hingelegt.

Kassuhn / Büssen – Ein kühleres Frühjahr mit mehr Niederschlag dieses Jahr – das ist natürlich auch in der Landwirtschaft registriert worden. Deutlich besser als in den dürregeplagten vergangenen Jahren. Für das Wiederauffüllen der ausgetrockneten Reserven habe es allerdings noch nicht gereicht, erklärt Bönki. „In 1,80 Meter Tiefe ist noch immer Dürre.“ 300 bis 400 Liter auf den Quadratmeter werde während der Vegetationsperiode von März bis Anfang September benötigt; bislang gab es rund 250 Liter. Im Winter fehlten jedoch die Pflanzen, um das Wasser aufzunehmen.

„Wir sind in der Natur zirka zwei Wochen zurück, was uns zugutekommt“, so der Fachmann weiter. Denn zu schnelles Wachstum verringere etwa die Qualität.

Wetter und Landwirtschaft pflegen seit Anbeginn der Zeit eine Hassliebe zueinander. Dieses Risiko führt aber regelmäßig zu neuen Entwicklungen. Auch bei der Hartstock GbR. Ein paar Hektar Dinkel werden dieses Jahr angebaut; das Getreide ist bei Wasser und Dünger weniger anspruchsvoll als sein moderner Verwandter, der Weichweizen. 2022 könnte mit Durum (Hartweizen) noch eine andere genügsamere Sorte dazukommen. Produkte daraus stoßen auf einen wachsenden Markt, sind zumindest im Fall des Dinkels aber auch schwieriger zu verarbeiten, weshalb sich Landwirte meistens über Vorverträge absichern. Der derzeit scheinbar überall in der Region aufkommende Drang zur Photovoltaik auf Ackerboden spielt bei der Hartstock GbR derzeit keine Rolle. Damit sei sich befasst worden, meint Christian Bönki, letztendlich fehlten aber die geeigneten Flächen und überwögen die Unwägbarkeiten. Auch die Proteste der Bevölkerung, so im nahen Maxdorf, sieht der Betriebsleiter –die richtige Kommunikation sei bei solch einem heiklen Thema wichtig.

Neben dem Wetter mischt immer wieder die Politik die Karten der Landwirte durcheinander. Beim Dünger hätte sich die Aufregung erst einmal gelegt, so Bönki, aber beim Umgang mit dem Thema Pflanzenschutz vermisse er doch einen grundsätzlichen wissenschaftlichen Umgang. „Da werden uns Sachen weggenommen, die essenzielle Bausteine waren“, klagt er. Behoben werde das dann über Notzulassungen. Widerstandsfähige Pflanzen würden gebraucht, erklärt der Betriebsleiter. Dürfe der Landwirt aber kaum noch Mittel einsetzen, müsse unter hohem Dieseleinsatz „ständig im Acker herumgekratzt“ werden. Ein Einsparen von CO2 sei das nicht.

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