90 Parzellenbesitzer leben weiter in Ungewissheit – und sorgen sich um ihre Grundstücke

Kapitulation am See

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Die Idylle trügt: Die Parzellenbesitzer am Arendsee wissen noch nicht, wie es weitergeht. Der Altmarkkreis Salzwedel und die Stadt Arendsee streiten sich um grundlegende Dinge, ein von den Parzellenbesitzern finanzierter Bebauungsplan ist noch nicht vom Tisch.

Arendsee. Wie denn nun am Seeufer? Der Aufschrei war groß, als im November 2016 Vertreterinnen der Kreisverwaltung deutlich machten, dass das Areal im sogenannten Außenbereich liege und somit außerhalb der Planungshoheit der Stadt.

Um diesen Zustand zu heilen, müsse ein Bebauungsplan erstellt werden. Den sollen alle bezahlen. Damals lehnten einige schon während der Infoveranstaltung ab.

Die Stadt reagierte schnell, machte öffentlich, dass es einen Flächennutzungsplan aus der Nachwendezeit gebe, in dem das Gebiet Innenbereich ist. Damit wollte Bürgermeister Norman Klebe beim Kreis vorstellig werden. Zu erfahren war aber, dass der Kreis den Plan nicht akzeptierte und die Stadt rüffelte. Ohne Erfolg wurde die Heimreise nach Arendsee angetreten.

Aber für die Parzellenbesitzer änderte sich nichts. Doch sie bekamen ein Schreiben der Stadt, dass das Laub und Gestrüpp am Seeweg nicht mehr abgefahren wird. Die Auswirkungen waren vielschichtig: Eine ist, dass der durch monatelange Regenfälle aufgeweichte Weg zerfahren wird, weil alle einzeln anrücken, um ihr Laub zu entsorgen. Zurück zu den Parzellen selbst: Seit nunmehr 14 Monaten ist die Unruhe nicht gewichen. Das zarte Pflänzchen Hoffnung mit dem Flächennutzungsplan verkümmerte, und die Parzellenbesitzer sind so schlau wie vorher.

Die AZ hat nun erfahren, dass der vom Kreis vorgeschlagene Bebauungsplan noch nicht vom Tisch ist. Wieder wird hinter den Kulissen darüber nachgedacht, die insgesamt rund 90 Parzellenbesitzer zu einem „Ja“ für einen derartigen Plan zu bewegen. Das bedeutet: Die Betroffenen müssen rund 50 000 Euro aufbringen, um einen solchen Plan in Auftrag zu geben. Voraussetzung: Alle müssen mitziehen. Ob das gelingt, bleibt angesichts der Diskussionen seit November 2016 fraglich.

Sollte es dennoch zu einem Bebauungsplan kommen, könnten sicherlich einige Flächennutzer am See profitieren. Andere aber müssten um ihre Bauten fürchten – dann, wenn sie nach den neuen Bedingungen viel zu nah am Ufer stehen. So oder so – die Ungewissheit nervt viele Betroffene. Die Stadt hat aktuell kapituliert. Vor den Forderungen des Kreises.

Von Harry Güssefeld

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