Arendseer erinnert sich / Alois Pisnik bot ihm einst das Du an

38 Jahre im Tourismus: Ulli Rasche sagt Tschüss

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Ulli Rasche in seinem Elektroauto, mit dem er viele Arbeiten auf dem Campingplatz erledigt. Er geht nach 20 Jahren auf dem Platz in den Ruhestand. Seit 38 Jahren hat er im Tourismusbereich in der Seestadt gearbeitet.

Arendsee. Hans-Ulrich Rasche, eigentlich sagen alle Ulli zu ihm, schaut mit etwas Wehmut zurück. Wenn er in wenigen Tagen seine Arbeit auf dem Campingplatz beendet, dann ist Schluss. Schluss nach 20 Jahren als Platzwart und insgesamt 38 Jahren im Tourismus der Stadt Arendsee.

„Es war im März 1975, als ich meine Arbeit als Hausmeister, Handwerker und Heizer beim damaligen Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) begann“, so Ulli Rasche gegenüber der AZ. Ja, es sei eine tolle Zeit gewesen, auch wenn er, wenn Not am Mann war, servieren, Urlauber betreuen oder auch als Schallplattenunterhalter fungieren musste. Anfang der 80-er kam dazu, dass er die Ausser-Haus-Gäste im Berliner Hof, später auch im Deutschen Haus oder im Kaffeegarten betreuen musste. Eine weitere Station waren die Seeterrassen, bis er dann ins Hotel Waldheim kam. Dort übernahm der Arendseer auch den Posten des Weihnachtsmannes und hatte damals bis zu 250 Pakete zu verteilen. „Diese Zeit war geprägt von viel Arbeit, aber auch enorm viel Spaß, ich erinnere mich gern“, blickt der Arendseer zurück. An eine Episode erinnert er sich auch. Bei der Grundsteinlegung für den Waldheim-Anbau hatte ihm einst Alois Pisnik, der 1. Sekretär des SED-Bezirksleitung Magdeburg, bei Wodka das Du angeboten. „Früher war das schon was Besonderes“, sagte Ulli Rasche und geht in seiner Erzählung nahtlos ins Jahr 1990 über. Er begann nach der Wende als ABM-Kraft im Strandbad. „Damals fuhr ich auch mit, um für die Stadt auf Messen in Hannover oder auf der Harz und Heide in Braunschweig zu werben“, erinnert er sich. Arendsee in der großen Bundesrepublik bekannt zu machen, das sei damals die wichtige Aufgabe gewesen. Am Himmelfahrtstag 1993 begann er dann als Platzwart auf dem Campingplatz. Bis heute hatte er viele Chefs erlebt – angefangen bei Fred Ratajski, Peter Wenisch, Horst Batt, Jost Fischer und nun Michael Meyer.

Während des Gesprächs wird er immer wieder unterbrochen. Gäste des Campingplatzes grüßen ihn, er ist bekannt. Ja, die Menschen auf dem Platz würden ihm fehlen. Doch er freue sich auch auf die Zeit mit seiner Familie, insbesondere mit seinen fünf Enkelkindern. „Jahrzehnte im Tourismus zu arbeiten, das bedeutete, vor allem auch an den Wochenenden zu arbeiten“, erinnerte sich Rasche. Zum Herbstmarkt wäre er immer gern länger geblieben. Aber mehr als ein flüchtiger Spaziergang über die Marktmeile, war kaum drin.

Nach dem Gespräch fährt Ulli Rasche mit seinem E-Transporter kurz in die Stadt. Aber nicht ohne sich zuvor per Stechkarte abzumelden. Das gab es zu DDR-Zeiten nicht, sagte er. Was er sich wünsche? „Ich möchte, dass sich die Gäste in Arendsee wohlfühlen und gern wiederkommen.“

Von Harry Güssefeld

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