Ehemann und SV Arendsee schockiert / Betreiber des Online-Marktplatzes hilft bei der Aufklärung

Kriminell und pietätlos: Identität einer Toten benutzt

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Fassungslos haben gestern Martin Retzlaff vom SV Arendsee (l.) und Andreas Kunstmann nachvollzogen, wie der oder die Täter sich der Identität der verstorbenen Heike Kunstmann bedient und ein ebay-Konto eröffnet hatten. Das Konto des SV Arendsee wurde der Frau zugeordnet – die Polizei ist bereits aktiv. 

Arendsee. In Sachen Internetbetrug ermittelt die Polizei: Der Fall ereignete sich in Arendsee. Geschädigt war zunächst der SV Arendsee, ein bislang unbekannter Täter hatte die Identität einer Arendseerin für seine Aktivitäten bei ebay, einem Internetkaufhaus genutzt.

Besonders schäbig: die Identität einer Verstorbenen. Was war passiert? Am 9. August entdeckt der Vorsitzende des SV Arendsee, Martin Retzlaff, auf Kontoauszügen des Vereins eine angekündigte Lastschrift von 31,69 Euro. „Was könnte das sein“, fragt sich Retzlaff. Weil er nicht weiterkommt, ruft er bei ebay an. Der Internetdienstleister ist sehr kooperativ. Martin Retzlaff, der sich den Vorgang nicht erklären kann, bekommt von ebay den Klarnamen des Kontoinhabers. Und der lautet: Heike Kunstmann. Doch wie sich nach eigenen Recherchen herausstellt, ist diese Frau am 25. Juli verstorben. Über Vereinsmitglieder erreicht man den Ehemann Andreas Kunstmann.

Es geht um den Verkauf einer Nintendo-Spielekonsole im Wert von 317 Euro. Es wird spannend: Auf welches Konto ist der Kaufpreis geflossen? So könnte die Polizei dem Täter auf die Spur kommen.

Die Sache wird immer klarer: Die Anzeige für die Verstorbene stand am 27. Juli in der Zeitung: dort neben dem Namen auch das Geburtsdatum. Der Täter nutzte nun Namen und Geburtsdatum, um das Konto bei ebay einzurichten. Was ihm fehlt, ist die Kontoverbindung. Und die findet er auf der Homepage des SV Arendsee. Und so nimmt er die Identität der Verstorbenen und die Kontonummer des Fußballvereins, richtet am 28. Juli ein ebay-Konto ein und bietet so eine Nintendo-Spielekonsole für 317 Euro an. Es wird davon ausgegangen, dass die Auktion beendet ist, weil das Konto des SV Arendsee mit zehn Prozent der Summe als Gebühr bereits belastet werden sollte. Die rund 32 Euro sind dem Verein bereits gutgeschrieben worden. Doch die Geschichte selbst ist nicht vorbei. Hat jemand die Spielkonsole gekauft und das Geld überwiesen? Auf wessen Konto ist der Kauferlös eingegangen? Das wird nun Aufgabe der Polizei sein, wie Martin Retzlaff und Andreas Kunstmann der AZ erklärten. Denn beide haben Anzeige erstattet. Wegen Internetbetrugs.

Kennt sich der Täter im Bereich Arendsee aus? Ist das Bild der Konsole in einem Raum entstanden, der wiedererkannt wird? Retzlaff und Kunstmann stellen sich diese Fragen, und würden sich freuen, wenn der Täter bekannt wird. Denn dieser Art der Kriminalität muss Einhalt geboten werden, sind sich beide Betroffenen einig.

Von Harry Güssefeld

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