Ramona Schellenberg schließt ihre Arendseer Tauschbörse / Konkurrenz aus dem Internet zu stark für den kleinen Laden

„Ich bin traurig, aber es geht nicht mehr“

+
Ramona Schellenberg in ihrem Laden mit einem Erinnerungstück, das sie eingerahmt hat. Es handelt sich um einen Artikel der Altmark-Zeitung, der zur Eröffnung der Arendseer Tauschbörse vor 13 Jahren erschien.

Arendsee. „Es lässt sich mit einem Satz sagen: Das Internet hat gewonnen“, erzählt Ramona Schellenberg offen, warum sie ihren Laden an der Arendseer Friedensstraße für immer schließen wird.

Mitte März ist Schluss, die digitale Konkurrenz mit An- und Verkauf war zu stark für die kleine Tauschbörse. Als Ramona Schellenberg das Kündigungsschreiben für den Laden in den Postkasten steckte, habe sie das Gefühl gehabt, einen Teil ihres Herzens mit abzugeben – gesteht die sympathische Seestädterin mit feuchten Augen: „Ich bin traurig, aber es geht nicht mehr. “.

Am Donnerstag vor genau 13 Jahren startete sie mit der Eröffnung, zwölf schöne Jahre folgten. 2017 blieb ihr bereits als schwierige Zeit in Erinnerung, die schließlich zur Geschäftsaufgabe führte. „Das Weihnachtsgeschäft war gleich null“, bilanziert Ramona Schellenberg. Dabei sah sie, wie Postzusteller es kaum schafften, die Pakete vor Heiligabend zu den Kunden zu bringen. Die Geschäftsfrau zog daraus eine erste Konsequenz und schloss bereits vorübergehend für zwei Wochen – um Heizkosten zu sparen.

Derzeit ist die Börse noch offen, auf einem kleinen handgeschriebenen Zettel im Schaufenster wird das baldige Aus verkündet. In Zeiten mit Unternehmen, die eine riesige Produktauswahl, großzügige Werbeoffensiven und ausgeklügelte Vertriebssysteme vorhalten scheint das Ende eines übersichtlichen Lades fast unterzugehen. Aber nur fast, denn Kunden wollen mit Ramona Schellenberg ins Gespräch kommen. Der persönliche Kontakt zwischen den Schränken mit Bücher, Kleidungsstücken, Spielen, Geschirr und Weiterem drückte dem Laden einen gefühlvollen Stempel auf. Und genau daran erinnert sich die Arendseerin gerne: „Hier wurden so manche Sorgen ausgewertet.“ Es geht eben nicht nur um den Verkauf und Ankauf von Gegenständen, sondern auch den persönlichen Austausch von Angesicht zu Angesicht. Etwas, was das Internet nicht so einfach bieten kann.

Diese Möglichkeit schätzt auch eine Kundin, die während des AZ-Besuchs mit Ramona Schellenberg darüber spricht, wie schnell Kinder groß werden, kurz auf das bevorstehende Ende des Ladens eingeht und es sich dann darum dreht, dass in Arendsee nichts mehr los sei. Immer mehr Schaufenster bleiben in der Innenstadt dunkel, Mitte März kommt erst mal ein weiteres dazu.

„Die Tauschbörse war auch immer ein Anlaufpunkt“, meint die Arendseerin, während ihr ein Erlebnis aus dem vergangenen Sommer in den Sinn kommt. Es regnete, Urlauber wussten nicht wohin und kamen in den Laden. Während die Erwachsenen plauschten, spielten die Kinder im Gang und fühlten sich wohl. Solche Begegnungen in abgewandelter Form gibt es immer wieder, sie machen den Charakter der Tauschbörse aus. Und sie zeigen auch ein Stück Zusammenhalt, den sich Ramona Schellenberg für Arendsee insgesamt wünscht. Als Beispiel nennt sie die verheerenden Stürme mit umgekippten Bäumen, die der Wirtschaftshof alleine gar nicht so schnell wegräumen könne. „Anstatt sich darüber zu beschweren, könnte doch gemeinsam angepackt und das Problem mit vereinten Kräften beseitigt werden“, erzählt die Seestädterin abschließend.

Von Christian Ziems

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare