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Ortsteil oder nur Anhängsel? Höwisch fühlt sich vernachlässigt

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Von: Detlef Güssefeld

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Zahlreiche Frauen lachen über eine als Putzfrau verkleidete Kabarettistin.
Das Dorfgemeinschaftshaus Höwisch ist der Mittelpunkt des Dorfes und so etwas wie die „Heimat-Basis“ für vielfältige Aktivitäten – wie hier bei einer ausgelassenen Feier der Frauen. © Frank Schumann

Höwisch behauptet sich. Die Gemeinderäte und der Heimatverein sind kräftig bemüht, dem Dorf einen Halt und eine Perspektive zu geben. Mit den wenigen Mitteln, die dem Ort zur Verfügung stehen. Würden da nicht die Gelder aus dem Windparkvertrag fließen, könnte man sich nicht mal über einen so schönen Dorfplatz freuen. Für den Ortsbürgermeister Frank Schumann ist es als Wahl-Höwischer aus dem einstigen Halle kein Problem, auch mal Schwierigkeiten zu meistern. „Jeder weiß um die Situation hier. Aber es ist nicht Aufgabe, zu verzagen, sondern zu machen“, so Schumann – und er will ein Ortsbürgermeister für alle sein.

Höwisch – Die Diskussionen im Ortschaftsrat hält er für wichtig, vor allem wenn es darum geht, die Gelder, die alljährlich zur Verfügung stehen, so aufzuteilen, dass alle zufrieden sind. Hauptschwerpunkt sind die Arbeitseinsätze, die man sich mit 100 Euro auch etwas kosten lässt. Dennoch: Die Summe erscheint hoch im Gegensatz zu den Positionen, die da noch erscheinen. 9,95 Euro für Chemikalien für die Spülmaschine werden penibel genau in die Bilanz eingearbeitet. Eine Führung mit wenig Geld: Aber das scheint die Kunst zu sein, den Menschen auch Mut zu machen, in dem Ort zu wohnen, zu bleiben oder wiederzukommen. Höwisch ist ein Dorf mit vielen älteren Einwohnern. Aber wer sagt nicht, dass auch ein Mann vielleicht sein Glück bei einer alleinstehenden Höwischerin findet, wenn er sich in dem Dorf niederlässt. Oder umgekehrt. Der Ortschaftsrat ist ein Organ, der nicht mehr viel entscheiden kann. Das ist die nüchterne Betrachtung eines Ortsbürgermeisters, der den Job nach eigenen Angaben dennoch gern macht. Nicht des Geldes wegen, denn da gibt es nicht mehr viel. „Wir haben wenig Einfluss, wenn wir etwas wollen. In Arendsee werden wir kaum gehört“, so Schumann. Die letzte Entscheidung, keine Solaranlagen im Ort zuzulassen, habe noch Bestand. Das war ein großer Erfolg, wie es heißt. Auch wenn es inzwischen bei manchem so ankommt, Höwisch würde sich dem Fortschritt versperren. In der Nähe drehen sich Windkraftanlagen, und das sei ausreichend, so der Rat damals. Wie lange die Abwehrhaltung gegen den Überbau von landwirtschaftlichen Nutzflächen bestehen kann, weiß niemand. Weisungen aus Berlin könnten alles zunichtemachen. Wie es in der Geschichte mehrere Beispiele dafür gibt. Die Bestrebungen, in Arendsee einen Ortschaftsrat einzusetzen, werden in Höwisch genau beobachtet. Was das besser machen würde, dass sollen die Arendseer beantworten, heißt es. Für Höwisch sei ein Sprachrohr noch eine kleine Möglichkeit, zu erklären, dass man auch zu Arendsee gehört.

Anders in Arendsee: Dort habe man direkt im Stadtrat, also eine Institution höher, die Möglichkeit, die Anliegen anzusprechen. Diese Möglichkeit nutzen inzwischen auch Stadträte aus den Dörfern. Auf kurzem Weg gelangen die Anliegen ins Protokoll. Diese Möglichkeit haben die Höwischer nur bedingt, wenn der Ortsbürgermeister an den Sitzungen teilnimmt. Und Schumann denkt über die Grenzen hinaus. „Wer hier aus den Dörfern östlich von Arendsee sitzt denn im Stadtrat?“, fragt Schumann. Nur Christel Tiemann aus Neulingen hat es geschafft. „Aber auch nur, weil Rene Schackert ausgeschieden war“, so Schumann. Die Orte Harpe, Zehren, Leppin, Höwisch und auch Ziemendorf haben keinen Sitz im Stadtrat. „Das macht vieles schwerer. Gehör zu finden ist nicht einfach“, so der Höwischer Ortschef. Arendsee, der Westen und der Süden, haben das Übergewicht. Das sei auf Dauer nicht gut. Verzagen wollen die Höwischer aber nicht. Nur angesprochen haben wollen sie es. Eine Möglichkeit wäre, Kandidaten aus dem Osten, auch überörtlich, aufzubauen. Vielleicht klappt das ja.

Übrigens: Über einen Ortschaftsrat in Arendsee soll in der Stadtratssitzung im November gesprochen werden. Stadtrat Uwe Walter macht Druck. Ihn hätten schon so viele angesprochen, machte er während der jüngsten Stadtratssitzung deutlich. Bei der Befragung im Frühjahr hatten sich aber nicht viele Arendseer beteiligt. Zum einen grassierte fehlendes Interesse, zum anderen bekam nicht jeder einen Stimmzettel. Doch als Wahl- oder Abstimmungspanne wurde das nie bezeichnet. 374 Rückmeldungen gab es, 269 waren für einen Ortschaftsrat, 102 dagegen. Ein Teil war ungültig. Ob es bald ein Büro für einen Ortsbürgermeister in Arendsee gibt? Man darf gespannt sein.

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