„Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee“ organisiert Bustour nach Feldberg

Haussee nach der Chemo soll überzeugen

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Über die 1996 erfolgte Seekreideaufspülung im Arendsee wird der Besucher im Strandbad informiert. Eine Langzeitwirkung gegen Phosphor gab es nicht. Die ins Auge gefasste chemische Keule wird indes skeptisch gesehen.

Arendsee. Nach jahrelangen Diskussionen ist immer noch kein Termin für eine Seesanierung benannt.

Stattdessen sind die Untersuchungen über mögliche noch nicht bekannte Einleiter von Nährstoffen ausgedehnt worden, so Gert Reckling, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee“, gestern auf Nachfrage der AZ.

Die Schwarzmalerei der Wissenschaftler über den Zustand des Arendsees hat Wirkung hinterlassen, wenn auch nicht bei allen Seestädtern. Die Arbeitsgemeinschaft positioniert sich nicht – will aber zur Meinungsbildung beitragen. „Wir werden in diesem Jahr auf die Frühjahrstagung verzichten und eine Reise an den Haussee bei Feldberg anbieten“, so Gert Reckling. Der Haussee gilt bei Fachleuten als Erfolgsgeschichte neben vielen Seen in Mecklenburg-Vorpommern, die in den vergangenen Jahren einer Sanierung unterzogen wurden. Mit dem Ziel, den Phosphorgehalt der Gewässer zu verringern und damit die Blaualgen zu dezimieren.

Der Haussee bei Feldberg (Mecklenburg-Strelitz) wurde inzwischen einer „Chemotherapie“ unterzogen. Die Ausfällung sei mit Salzen erfolgt, wie auch im Arendsee vorgesehen. Im September 2011 hatten sich Reckling und einige Stadträte nach Feldberg aufgemacht, um sich zu informieren. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen über den Erfolg gemacht werden konnten – die Stadt Feldberg, so erklärte es Reckling, habe aber hinter der Maßnahme gestanden. Also Ja zu einer chemischen Behandlung des Sees gesagt haben. Reckling hatte sich in der Vergangenheit nicht weit aus dem Fenster gelehnt, auch angesichts zaghafter Proteste von Tauchern, Anglern und dem Fischer, der vom See lebt.

Wie geht es den Fischen nach der chemischen Keule? Der Fischereipächter beispielsweise am ebenfalls betroffenen Zierker See hatte geklagt. Im Ergebnis des 13. Gewässersymposiums in Güstrow wurde dennoch notiert, dass der Fischer nichts gegen eine nach der Fällung geringere Bonität des Gewässers einwenden könne, wohl aber gegen negative Auswirkungen auf den Fischbestand durch toxische Wirkung des Aluminiumsulfats. „Derzeit sei nicht hinreichend geklärt, welche Auswirkung eine Sulfatausfällung allgemein in ungeschichteten Seen und speziell im Zierker See für den Fischbestand und das Plankton haben kann“, heißt es im Protokoll. Dass es in anderen Seen keine Vergiftungserscheinungen an Fischen gab, heiße nicht automatisch, das auch im Zierker See derartige Auswirkungen nicht zu erwarten seien.

Versuche wurden gestartet. So wurden zwei Plötze, zwei Düstern, zwei Barsche und zwei Rotfedern elf Tage lang in Wasser gehalten, das mit Fällmittel in überstarker Dosis versetzt worden war. „Die Fische waren vital“, heißt es im Ergebnis des Experiments.

Zwischenzeitlich hatten sich in Arendsee Einwohner positioniert und sogar in Erwägung gezogen, eine Bürgerinitiative gegen die Ausfällung zu gründen. Bisher ist das nicht geschehen, so dass die Befürworter des chemischen Sanierung immer weniger auf Gegenwehr stoßen. „Wir müssen ausschließen können, dass der Badeort Arendsee in den Sommermonaten durch die Algenplage in Frage gestellt wird“, so Reckling in jüngster Vergangenheit.

Die Fahrt an den Haussee soll zur Meinungsbildung beitragen. An zahlreichen Seen in Mecklenburg-Vorpommern ist die Sanierung abgeschlossen. Die Frage wird sein: Wie positiniert sich die Stadt, der Stadtrat in Arendsee zu seinem See?

Von Harry Güssefeld

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