Mechaus Ortsbürgermeister feiert heute seinen 60. Geburtstag

Hartmut Baiers Bilanz: Mehr Arbeitsplätze als Einwohner

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Hartmut Baier ist mit Leib und Seele Ortsbürgermeister. Heute wird der Mechauer 60 Jahre alt. Wie kaum ein anderer hat er das Bild des früheren Grenzdorfes seit der Wende verändert. Voller Stolz kann er auf das Erreichte zurückschauen.

Mechau. OB wie Oberbürgermeister nennen die Einheimischen ihren jetzigen Orts- und früheren Bürgermeister Hartmut Baier. Heute wird der Mechauer 60 Jahre alt.

60 Jahre Hartmut Baier, das sind sozusagen auch 60 Jahre Gemeinde Mechau. Denn bereits vor seiner Zeit als Dorfoberhaupt ab 1991 saß der waschechte Mechauer im Gemeinderat des früheren Grenzortes. „Das Leben im Sperrgebiet war mit Einschränkungen verbunden. Nicht nur, weil man nicht jeden Besuch empfangen konnte. Aus diesem Grund wurden die Familienfeier ins benachbarte Kläden verlegt, damit die Freunde und Verwandte keine Laufereien mit dem lästigen Passierschein hatte. Dennoch hatte ich eine tolle Kindheit in Mechau“, schaut der Jubilar auf die DDR-Zeit zurück.

Der fast 300-Seelen-Ort Mechau lag bis in den Novembertagen 1989 direkt an der innerdeutschen Grenze, und als das schrecklichste Bauwerk in der deutschen Nachkriegsgeschichte fiel, war es Hartmut Baier, der die Zeichen der Zeit erkannte und aus dem einstigen „Mauerblümchendorf“ bis in die heutige Zeit dem Ort ein anderes Gesicht gab. Und damit ist nicht nur der Fakt gemeint, dass der Ort mit zirka 300 Menschen mittlerweile fast 400 Arbeitsplätze vorweisen kann. Das wissen nicht nur die Einheimischen an ihrem OB zu schätzen.

Denn seit der Wende sind in das Dorf und den Wirtschaftsstandort etwa 200 Millionen Euro geflossen. Neben der Ansiedlung von Jackon Insulation 1993 waren es weitere Firmen in und vor den Toren Mechaus sowie zahlreiche Investitionen im Dorf. Dabei gab es als allererste Investitionen den Bau von neuen Trinkwasser-, Schmutz-, Gas-, Telefon- und Energieleitungen sowie die Errichtung eines Klärwerkes.

Im Anschluss erfolgte der Umbau der Dorfstraße auf einer Länge von vier Kilometern, listet der 60-Jährige auf. Es schlossen sich unter anderem die Errichtung des Feuerwehrgerätehauses mit Gemeindehaus, das neue Dorf- und Vereinshaus am Sportplatz sowie der Umbau des Wirtschaftshofgebäudes und der Kindertagesstätten-Neubau an. Der Trauerhallen-Neubau und die vollständige Sanierung der Kirchenmauer und des Daches komplettierten die lange Liste der Investitionen seit der Wende. „Was wir gemacht haben, hatte immer Hand und Fuß“, erzählt der dreifache Familienvater und Opa voller Stolz. Mit einer Ausnahme: die Wasserkraftanlage. Dabei betont der gelernte Autoschlosser, dass die eigenständige Kommune im planerischen Bereich immer fachlich gut beraten wurde.

„Mit dieser Wirtschaftsstrukturinsel könnten wir selbst gut leben“, äußert sich der parteilose Ortsbürgermeister. Und damit meint der Jubilar die ständigen politischen Veränderungen der Gemeindegebietsreform mit Ausnahme der Zuordnung zur Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land. „Mit dieser Zugehörigkeit hätten wir gut weiterleben können. Das war ein ordentliches Arbeiten“, resümiert der 60-Jährige heute.

Hartmut Baiers pragmatisches und weitsichtiges Handeln hat unter anderem zur Ansiedlung von Jackon vier Jahre nach der Wende geführt. „Ich hatte die Idee, eine Firma mit 50 bis 60 Beschäftigten in Mechau anzusiedeln und habe über verwandtschaftliche Beziehungen Kontakt zum früheren Jackon-Geschäftsführer Klaus-Dieter Kolossow aufgenommen“, erinnert sich Hartmut Baier.

Auf das Angebot kam Kolossow nach dem Telefonat mit Mechaus Bürgermeister später noch einmal zurück, als sich die Unternehmensgruppe für das Dorf am Flötgraben und gegen das Gelände des früheren Wittenbergers Nähmaschinenwerkes entschied. „Im Arendseer Waldheim haben wir Nägel mit Köpfen gemacht.“

Seit 1993 werden vor den Toren Mechau Dämmstoffe in verschiedenen Modellen von etwa 300 Angestellten produziert. Die Ansiedlung brachte nicht nur Arbeitsplätze in die strukturschwache Region, sondern sorgte auch mit dem Straßenbau von Ritzleben für eine Infrastruktur, von der die Dorfgemeinschaft mit Sportverein, Feuerwehr sowie weitere Institionen profitierten.

Auch wenn sich die politischen Umstände seit 2011 mit der Zwangzuordnung nach Arendsee enorm veränderten: Für seinen Heimatort wird Hartmut Baier auch in Zukunft alles in die Waagschale werfen, damit es lebenswert bleibt, in Mechau zu wohnen und zu arbeiten. Denn fast 20 Jahre hat der Jubilar auch ohne Parteibuch in Mechau eine Politik für die Einwohner gemacht.

Von Henning Lehmann

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