Wirtschaftsausschuss der Stadt Arendsee zwischen Stillstand und Hoffnung

Nun gustaf-nagel-stadt: Die Ideen gehen nicht aus

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Es gibt die Otto-Reutter-Stadt Gardelegen oder auch die Jenny-Marx-Stadt Salzwedel. Warum soll Arendsee dann nicht gustaf-nagel-stadt heißen? Das fragt der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses Jens Reichardt.

Arendsee. Es ist die Zeit der Wünsche, der Heimlichkeiten und der Hoffnung: Wie aus heiterem Himmel sprudelte es am Montag aus Jens Reichardt, dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses, heraus.

Arendsee müsse mit Gustaf Nagel, dem Sohn der Stadt, mehr Werbung machen, hieß es während der Sitzung in der Mutter-Kind-Kurklinik.

Wünschenswert wären Kontakte zu Werben, der Geburtsstadt, und Steinhude (Niedersachsen), wo Nagel auch war. Mit dem Vorschlag, Arendsee als „gustaf-nagel-stadt“ zu etablieren, setzte der Ausschussvorsitzende seiner Idee die Krone auf. Widersprüche gab es nicht, auch keine Jubelszenen.

Der Vorschlag wurde zu der Zeit gemacht, als Tourismusfachleute aus Arendsee ihre Ideen präsentieren sollten. „Was sollte in Arendsee passieren, um die Stadt attraktiver zu machen“, fragte Reichardt in die Runde. Von einem Barfußweg war die Rede, und von einer Wassertretstelle. Heidrun Schröder vom KiEZ fehlt die Romantik in der Stadt, nicht Teures, aber etwas Außergewöhnliches. So Stadtführungen, oder das Etablieren einer Kräuterfrau.

„Mir fehlt ein echtes Konzept für die Stadt, wo es hingehen soll.“

„Das alles kommt mir so vor, als wenn ein Konzept fehlt. Jahrelang reden wir, es stagniert doch aber“, sagte Kirsten Hohmeyer vom KiEZ. Ihr fehle ein Konzept, langfristige Ideen, was aus der Stadt in ein paar Jahren werden soll. „Man erkennt nicht, wo es hingehen soll“, sagte sie. Im KiEZ sei die Entwicklung lange geplant worden, es wurde investiert. „Ohne die Vorstellung, was in den nächsten Jahren passieren soll, würde es bei uns nicht gehen“, bemerkte die Mitarbeiterin. Eine Langzeit-Entwicklungsstudie gebe es nicht, hieß es daraufhin. Reichardt forderte einen Workshop, wo – „ohne ein Protokoll“ – die Vorschläge gebündelt werden sollten. Erklärte aber im selben Atemzug, dass es „ausreichend Konzepte in den Schubladen des Rathauses gibt, die vielen gar nicht bekannt sind“.

Die Ideenflut nahm am Montag kein Ende. So wurde auch wieder gefordert, dass in Zusammenarbeit mit dem Integrationsdorf eine Einstiegsstelle für Rollstuhlfahrer in den Arendsee gebaut wird. Dann könnte ein Gradierwerk entstehen – dazu müsste aber erst einmal die Thermalsole an die Oberfläche geholt werden. Etwas realistischer war dann Marion Danner von der Mutter-Kind-Klinik. Sie kritisierte das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten, so auch einer Drogerie.

„Wenn die Autobahn fertig ist, dann werden sich Investoren in Osterburg oder Seehausen niederlassen.“

Jens Reichardt erinnerte daran, dass die Autobahn bald Seehausen und Osterburg tangiere, und beide Städte bereits dabei sind, Gewerbegebiete und andere Infrastruktur zu beplanen. „Wenn die Autobahn fertig ist, wird in Arendsee gar nichts mehr passieren, wenn wir die Bauleitplanung nicht auf den Weg gebracht haben“, sagte der Ausschussvorsitzende. Aber vielleicht macht eine „gustaf-nagel-stadt“ neugierig auf mehr.

Von Harry Güssefeld

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