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Glaube und Aberglaube zum Jahreswechsel in der Altmark

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Von: Jens Heymann

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Eine Glücksloskarte zum Neujahrsfest 1930 mit besten Wünschen.
Eine Glücksloskarte zum Neujahrsfest 1930 mit besten Wünschen. © Repro / Schwarz

In der nordischen Mythologie gehören der Silvestertag und Neujahr zu den Raunächten zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar. Es gab viele Bräuche, und manche haben bis heute überlebt.

Arendsee – Die zwölf Töchter der Frau Harke (auch Frau Holle oder Freya) mussten Wotan und sein wildes Heer an diesen Tagen begleiten. Um die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen, war es unter anderem in weiten Teilen der Altmark untersagt, Arbeiten mit drehenden Teilen wie zum Beispiel Spinnen auszuführen, auch Haareschneiden und Schuhputzen waren verpönt. Die Werkzeuge beim Brotbacken wie Ofenwischer oder Brotschieber durften nicht im Freien stehen. Der Brauch, keine weiße Wäsche zu waschen und sie vor allem nicht aufzuhängen, da sich sonst der göttliche Himmelswagen darin verfangen konnte und aus Zorn darüber die Götter ein Familienmitglied sterben lassen, hat sich lange in der Altmark gehalten.

Es gibt noch mehr: Das Böllerknallen in der Silvesternacht ist nichts anderes als Lärm, der die bösen Geister vertreiben soll. Früher auch gerne mit Flintenschüssen. Dieser Brauch wurde zwischen den Weltkriegen im Arendseer Raum noch oft ausgeübt.

Der Brauch, sich in der Silvesternacht ein weißes Laken über den Kopf zu hängen und dann beim Rückwärts-aus-dem-Haus-Gehen die Geister auf dem Dach zu sehen, ist nicht mehr in Mode. Sehr verbreitet war es ebenfalls, in der Silvesternacht Bibel oder Gesangbuch in der Nacht bei völliger Dunkelheit aufzuschlagen. Anhand des dann vorgefundenen Textes konnte man am anderen Morgen sehen, ob man im neuen Jahr Glück hat oder nicht.

Auch wurde das Wetter zwischen Weihnachten und Neujahr von vielen Bauern aufgeschrieben, da sie glaubten, mit ihren Aufzeichnungen an den zwölf Tagen die Hauptwetterlage im neuen Jahr vorhersehen zu können. Doch auch aus den Knochen des Gänsebratens und der Kraft der Winterstürme in den Raunächten wollte man das Wetter im neuen Jahr vorhersagen. Ebenso mit einer Zwiebel, indem man sie abpellte und dann in den ersten zwölf Schichten nachsah, ob sie trocken oder nass sind. Dementsprechend fallen die jeweiligen Monate aus. (Mehr in der AZ-Printausgabe)

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