Giftfässer frei zugänglich in der alten Molkerei

Arendsee: Kinder spielten in giftiger Umgebung

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Kinder hatten auf dem Gelände der alten Molkerei in Arendsee gespielt – in Räumen, in denen Chemikalien und Gift lagerten.

Arendsee. Wie gefährlich das Material ist, das sich jahrelang in den Garagen und Ställen der alten Molkerei befunden hat, konnte das Ordnungsamt in Arendsee gestern noch nicht genau klären.

Fakt ist aber, dass Anwohner beobachteten, wie immer wieder Kinder auf dem Gelände und auch in den Räumen spielten, in denen sich die verschiedensten Chemikalien befanden. Einige der Fässer tragen die Aufschrift „Gift“, ein Schild in einem der Räume warnt „Giftraum, Betreten verboten. “ Einige der Behälter enthalten Desinfektionsmittel, andere Fässer, die ebenfalls in frei zugänglichen Räumen lagerten, enthalten Altöl, das teilweise ausgelaufen war.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes Arendsee waren gestern Vormittag vor Ort. Sie öffneten alle Türen des Gebäudes rechtsseitig der Molkerei, fotogratfierten die rund 30 Behälter in einem Raum, in anderen lagerten ähnlich viele. Auf Nachfrage der AZ hieß es gestern gegen 12 Uhr, dass ein Unternehmen am Nachmittag anrücken und die Chemikalien entsorgen wollte.

Auch dieser Raum auf dem Gelände der alten Molkerei in Arendsee war frei zugänglich. Deshalb war es Kindern möglich, die Räume zu betreten. Ein Anwohner sah dies und brachte schließlich die Fässer ins Rollen. 

Die Plastikbehältnisse und die Fässer lagerten auf sandigen Fußböden. Und dort wo Zementfußböden einst angelegt waren, zeigte sich dieser schwammweich. Die Wände der Räume sind angegriffen, der Gestank lässt keinen längeren Aufenthalt in den Räumlichkeiten zu. Woher die Chemikalien stammen, wollte das Ordnungsamt recherchieren. Möglich sei, so hieß es gestern, dass diese noch aus Zeiten stammten, als die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Besitzer der Molkerei war. Aktuell ist die Immobilie in Privathand, das Ordnungsamt fand gestern beim Verwalter einen Ansprechpartner, der die Sache in die Hand nahm.

Gestern Nachmittag begann der Abtransport der unsachgemäß gelagerten Behälter und Fässer.

Inwiefern sich die ausgelaufenen Flüssigkeiten bereits im Erdreich verteilt haben, konnte das Ordnungsamt gestern auf Nachfrage nicht erklären. Angesichts der Masse verschiedenster Flüssigkeiten darf die Frage gestellt werden, ob von dem Material Gefahren für die Umwelt und die Menschen ausgehen. Alles Spekulation, hieß es aus dem Ordnungsamt. Der Bürger, der die Kinder spielen sah und auch entdeckte, was sich in den Räumen befand, fragte sich gegenüber der AZ, warum diese Materialien nicht schon vor geraumer Zeit entdeckt und gesichert worden waren. Auch die Nähe zum See beunruhige ihn, hieß es weiter.

Die Gefahr soll erst einmal beseitigt sein. Der Eigentümer kündigte gestern gegenüber dem Ordnungsamt an, dass er den Zugang zu dem Grundstück versperren wird. Denn bislang waren alle außerhalb der alten Molkerei befindlichen Räume und Plätze frei zugänglich. Ob im Nachhinein noch Untersuchungen des Bodens laufen, war gestern nicht zu erfahren.

Ordnungsamtsleiterin Anja Schrader ging gestern davon aus, dass die Chemikalien durch den Beauftragten des Eigentümers ordnungsgemäß entsorgt werden. „Wir sind froh, dass es sofort einen Ansprechpartner gab“, sagte sie gestern gegenüber der AZ. Wichtig sei ihr, dass das Gelände auch gegen Zutritt gesichert werde. Dass es aufmerksame Bürger waren, die diesen Missstand gemeldet hatten, lobte sie ausdrücklich. Die Gefahr, die lauerte, sei groß gewesen.

Von Harry Güssefeld

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