Dr. Helmut Rönecke empfiehlt den Einsatz von Aluminium gegen den hohen Phosphorgehalt im Arendsee

„Es gibt keine Alternative“

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Anfang der 90er gab es Untersuchungen am Arendsee, bei denen verschiedene Mittel gegen Phosphor getestet wurden.

Arendsee. Was aus wissenschaftlicher Sicht getan werden muss, sei seit Jahren klar. Nun müsse die Politik entscheiden, wie wichtig ihr das Sanieren des Arendsees ist.

Für Dr. Helmut Rönecke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig gibt es keine Alternative zur Bekämpfung der hohen Phosphoranteile im See durch Aluminiumlösungen. Phosphor ist ein wichtiger Faktor beim Wachsen von Blaualgen, mit denen der Arendsee immer wieder zu kämpfen hat.

„Dass nichts passiert, ist unbefriedigend“, so der Forscher gegenüber der Altmark-Zeitung. Die Unterlagen würden seit drei Jahren beim Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in der Schublade liegen. Und dort sollten sie für Kritiker einer chemischen Behandlung des Sees auch bleiben. Bei Informationsveranstaltungen im vergangenen Jahr hatte es Gegenstimmen gegeben, die auf andere Methoden oder eine Selbstregulierung des Arendsees vertrauen.

Dr. Helmut Rönecke kennt seine Forschungsergebnisse und zog daraus seine Schlüsse. „Weltweit wurden tausende Seen mit Aluminiumlösungen behandelt. Das ist keine Hexenküche“, argumentiert er.

Der Arendsee leidet unter einem zu hohen Phosphorgehalt. 150 bis 170 Mikrogramm fänden sich in jedem Liter Wasser, so Dr. Rönecke. Normal seien 30 bis 50 Mikrogramm.

„In den vergangenen Jahren ist der Phosphoranteil deutlich gestiegen“, erklärt der Forscher. „Der See fungiert dabei als Phosphorfalle, das heißt, er gibt die Stoffe nicht wieder ab.“

Aluminiumlösungen, die aufgrund besserer Verteilung Granulaten vorzuziehen sind, bilden mit dem Phosphor eine Komplexverbindung. Diese sinkt auf den Grund und verbleibt dort, und zwar dauerhaft, wie Dr. Rönecke betont. Zusätzlich könne das Aluminium weiteren Phosphor, der aus dem Sediment hervorkommt, binden.

Das Metall wirke im Arendsee nicht giftig, führt der Forscher weiter aus. „Die Toxizität von Aluminiumlösungen im Arendsee ist ausgeschlossen.“ Und zwar deshalb, weil das Gewässer neutral bis basisch ist, also einen ph-Wert von 7 bis 9,5 aufweise. Probleme gäbe es nur bei saurem Wasser.

Was den hohen Phosphorgehalt so problematisch macht, ist das resultierende Algenwachstum. Und hierbei ergebe sich für Arendsee eine ungünstige Situation, meint Dr. Rönecke. Denn warmes Wetter begünstige neben guten Besucherzahlen auch den Algenwuchs. Schlechtes Wetter umgekehrt.

Hauptursache für den hohen Phosphorgehalt seien seiner Meinung nicht die Zuläufe in das Gewässer, Staub, Niederschlag, das Grundwasser oder der Badebetrieb, sondern die mehrere zehntausend nordischen Gänse, die auf dem See überwintern und dort ihre Exkremente hinterlassen.

„80 Prozent des Phosphors stammen von den Gänsen“, ist sich Dr. Rönecke sicher. Das entspreche einer bis drei Tonnen reinem Phosphor pro Jahr.

Die Gänsepopulation habe sich zudem stark erhöht. „Das Zehnfache seit den 40er Jahren“, so der Wissenschaftler. Als Gründe nennt er beispielsweise verschärfte Jagdgesetze in den Herkunftsländern.

Die derzeitigen Untersuchungen auf dem Arendsee (wir berichteten) befassen sich mit einem anderen Forschungsfeld, nämlich mit sinkendem Sauerstoffgehalt infolge von Klimaänderungen.

Von Jens Heymann

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