Der Stadt den Spiegel vorgehalten

Gewerbeverein Fleetmark stellt Ausschuss nicht nur angenehme Fragen

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Dass die „Queen“ nicht früher saniert wurde, damit sie ab Ostern fahren konnte, verwundert.

Fleetmark – Der Wirtschaftsausschuss der Stadt Arendsee hatte es endlich geschafft: Am Dienstagabend tagte das Gremium im Eiscafé Holz und freute sich, Vertreter des Gewerbevereins Fleetmark zu einem Gespräch begrüßen zu können.

Vorweggenommen: Es wurde seitens des Gewerbevereins Kritik am kommunalpolitischen Geschehen in Arendsee geübt.

Zunächst hielten sich die Fleetmarker Unternehmer noch mit Einzelheiten auf: So stellte Siegfried Kaul die Frage, warum die „Queen“ nicht im Winter repariert werden konnte. „Da hätte man ein Zelt überstülpen und darunter arbeiten können“, so der Fleetmarker. Nach Aussagen der GmbH seien allein durch den Ausfall im Mai 50 000 Euro weniger eingenommen worden.

Aber das war nicht alles. Die überwiegend Unternehmer in der Fleetmarker Gruppe kritisierten, dass es zu lange dauere, bis in Arendsee etwas umgesetzt werde. Dass das KiEZ so intensiv investiere und die Stadt selbst keine Schlechtwettervariante habe – das Wort Thermalbad fiel nicht. Die Stadtvertreter wehrten sich: Das KiEZ profitiere von Fördergeldern, die Arendsee nicht bekomme.

Stadtrat Uwe Walter wiederholte sich, indem er erklärte, der Tourismus in Arendsee sei auf gutem Weg – aber Kreis und Land ließen die Seestädter alleine, Anträge auf Zuschüsse würden abgelehnt. „Wir haben in Salzwedel und Magdeburg keine Lobby“, so Walter. Der Harz sei das Steckenpferd in Magdeburg, die Altmark interessiere kaum.

Doch die Fleetmarker setzten nach. Stefan Kaul wollte wissen, warum es nicht möglich ist, den Campingplatz zu privatisieren. Er selbst sei Intensiv-Camper und erlebe inzwischen in ganz Deutschland Super-Plätze. In Arendsee dagegen sei vieles marode, viel zu wenige Stellplätze – und damit würde auf Einnahmen verzichtet werden. In der freien Wirtschaft solche Entscheidungen zu treffen sei tödlich.

Stefan Kaul forderte, Teile der Stadt zu privatisieren. „Man muss den Investoren Mut machen und sie nicht abschrecken“, sagte er. Aber Michael Meyer, Chef der Luftkurort-Arendsee-GmbH, warnte selbst vor einer Privatisierung des Campingplatzes Arendsee. Der Platz sei zu marode, er sei „eine Zeitbombe“. Ein Verkauf sei kaum möglich, wenn der Zustand bekannt wäre.

Wie Recht die Fleetmarker hatten, zeigte sich in der Reaktion des Ausschusses: Vorsitzender Jens Reichardt beklagte die fehlende Aussage, „wohin sich Arendsee entwickeln wolle“ – wobei ihm nicht alle Ausschussmitglieder beipflichteten. Reichardt fordert seit Jahren einen Maßnahmekatalog. Der Zukunftskompass, mit dem rund 300 Einwohner befragt wurden, habe der Stadt Hinweise gegeben. Doch diese würden, so Reichardt, nicht beachtet. Das sei so nicht hinzunehmen.

VON HARRY GÜSSEFELD

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