Gemeinschaftsprojekt gegen Wildunfälle bei Leppin offiziell übergeben

Mit 70 und Gestank Fahrer und Tiere schützen

Jagdaufseher Karl-Heinz Schilling zeigte, wie die Duftdepots mit dem Duftstoff versetzt werden. Der Hartschaum auf den Holzpflöcken nimmt den Stoff auf und gibt ihn wieder ab. Er stinkt fürchterlich nach Fuchs und anderem Getier. Fotos (2): Güssefeld

Leppin. Düfte sollen das Wild irritieren und langsamer machen. Mit dem Ziel, dass die Tiere die Autos bemerken und die Autofahrer die Tiere. Wie das funktioniert, wurde gestern zwischen Genzien und Leppin an der B 190 erläutert.

Im Bereich des Leppiner Berges hatte es allein im vergangenen Jagdjahr zwischen April 2010 und März 2011 insgesamt 16 Wildunfälle gegeben. Mit der Einrichtung des Duftzaunes, so berichtete gestern Rüdiger Florin, Jagdpächter in Genzien, sei kein einziger Wildunfall mehr zu verzeichnen gewesen.

Was ist solch ein Duftzaun? Auf insgesamt rund 100 Pfählen auf beiden Seiten der B190 – auf einer Länge von rund 500 Metern – wurden spezielle Depots mit übel riechenden Duftstoffen angebracht. Von diesen Düften, die den Feinden der Wildtiere ähnlich sind – Fuchs, Luchs, Bär oder auch Mensch – irritiert, verharren die Tiere erfahrungsgemäß am Fahrbahnrand und wechseln nicht sofort über die Straße, so Birgit Blaich-Niehaus vom ADAC, der das Projekt zwischen unterer Jagdbehörde, der Polizei, des Landesbetriebes Bau und den Jägern der Hegegemeinschaft unterstützte. Auto- und Motorradfahrer haben so die Chance, das Wild frühzeitig zu sehen und ihr Tempo zu drosseln. „Der Duftzaun verhindert keinen Wildwechsel, macht ihn aber auf jeden Fall berechenbarer“, so Rüdiger Florin.

Die Polizei war auch vor Ort. Ihr Verkehrsexperte Lothar Heiser machte auf die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Stundenkilometern in dem Bereich aufmerksam. Dabei handelt es sich um eine Pilotphase, wie auch der Duftzaun ein Pilotprojekt ist und im Oktober eine Fortsetzung an der B 248 im Bereich Kuhfelde erfährt. Der ADAC sieht in dem Projekt eine deutliche Chance, Wildunfälle zu minimieren. Mit einem Plakat wird auf den Wildwechsel hingewiesen.

So sehen das auch die Jäger in dem Bereich. Sie werden die Pflege des Zaunes übernehmen, die Duftstoffe nachspritzen und dafür sorgen, dass die Folgen des Vandalismus beseitigt werden. Denn im gemütlichen Teil bei Soljanka und Schrippen erklärte Rüdiger Florin, dass bereits einige der Pfähle, auf denen die Duftdepots angebracht werden, rausgerissen wurden. Auch die Metallreflektoren, die zusätzlich angebracht sind, wurden bereits beschädigt. „Ich bin entsetzt darüber“, so der leidenschaftliche Jäger, der in der kostspieligen Maßnahme einen gleichzeitigen Schutz von Wild und Mensch sieht.

Von Harry Güssefeld

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