Anika Schulze aus Zießau und Rika Steyl aus Port Elizabeth sind seit fast zwölf Jahren ganz eng verbunden

Freundschaft über 10.000 Kilometer

+
Über Weihnachten und Silvester waren die Südafrikaner J.J. van der Watt (v.l.), seine Ehefrau Helen, Schwiegersohn Harry Steyl und Tochter Rika zu Gast bei Sigrid und Anika Schulze sowie Ina Kersten. Die vier Besucher aus Port Elizabeth haben in drei Wochen zahlreiche Reisen durch Deutschland und nach Prag unternommen. Gestern gab es noch einmal ein gemeinsames Frühstück in Zießau.

Zießau. Es wurde eine Dauerfreundschaft: Als Rika van der Watt aus Südafrika 2006 zum Schüleraustausch nach Zießau zu Anika Schulze kam, versprachen sich beide Mädchen, diese Freundschaft zu pflegen. Und sie tun es.

2007 reiste Anika nach Südafrika, 2011 kam Rika wieder nach Deutschland. 2016 reisten sieben Mitglieder der Familie Schulze zu Rikas Hochzeit, und nun, Weihnachten 2017, kamen Rika und ihr Mann Harry sowie ihre Eltern J. J. van der Watt und dessen Ehefrau Helen nach Zießau.

Anika Schulze und Rika Steyl im Dezember am Arendsee. Ihre Freundschaft besteht schon zwölf Jahre.

Mit der Absicht, möglichst viel zu sehen. Und in drei Wochen wurden unter anderem Magdeburg. Leipzig, Prag, Berlin und auch Salzwedel sowie Angern besucht. Ein Mammutprogramm, das sie absolvierten. Für den 60-jährigen J. J. van der Watt war Berlin der Favorit unter den Besuchszielen. Die Mauer und vor allem der städtische Nahverkehr faszinierten ihn, wie er sagte. In Südafrika gebe es das Auto – und das Fahrrad. Seine Frau Helen (57) war begeistert von der Musik und Atmosphäre in Deutschland.

Rika kann bereits als Reiseleiterin in Deutschland fungieren – spricht sie doch gut Deutsch, ihre Eltern und ihr Mann nur Afrikaans. Mit dem AZ-Redakteur klappt es auf Englisch gut – und so wird im Hause Schulze beim gemeinsamen Frühstück viel gelacht. Erwähnt wurde auch der Besuch im Harz – dort stand Schlittenfahren im Schnee ganz hoch im Kurs. Kein Wunder, herrschen doch derzeit im Süden Afrikas rund 40 Grad und Sonne, in Deutschland sechs Grad und Regen.

Das Bundesligaspiel zwischen RB Leipzig und Hertha BSC stand auch auf dem Besuchsprogramm. Die Reise in die sächsische Metropole war einer der Höhepunkte des Aufenthaltes in dem für sie fremden Land.

Rika hatte ihre Eltern und ihren Mann nicht lange überzeugen müssen, mit nach Deutschland zu kommen. Die Begeisterung, die die heute 27-Jährige für Deutschland empfindet, sprang auch auf die anderen über. Alle vier genossen den Urlaub vom Job – Rica arbeitet in Port Elizabeth in einem Import / Export-Büro, Harry in einem Unternehmen, das mit Tierfutter handelt. Vater J.J. ist Auktionator und ihre Mutter Lehrerin einer dritten Klasse mit 43 Schülern.

Der Flug nach Deutschland dauerte inklusive aller Stopps und Zwischenlandungen fast einen ganzen Tag. Von Port Elizabeth ging es nach Kapstadt, dann weiter nach Kairo, um dann in einen Flieger nach Berlin zu steigen.

Für Sigrid Schulze, Anikas Großmutter, war es wieder eine aufregende Zeit. Sie unterstützt, mit der Hilfe vieler weiterer Mitglieder der Familie und der Verwandtschaft, diese freundschaftliche Beziehung, die einst von Anika und Rika ausging und längst viele Menschen angesteckt hat. „Während wir Weihnachten in Deutschland sehr ruhig begehen, ist Weihnachten in Südafrika eher wie Karneval“, erzählt sie. Sich gegenseitig zu erzählen, von Traditionen und Bräuchen, auch das fasziniert alle sehr. „Der Kontakt wird über soziale Medien aufrechterhalten, ständig eigentlich. Es gibt eine Afrika-Gruppe“, heißt es.

Der Besuch geht heute zu Ende. Etwas ganz Besonderes wollte J.J. van der Watt noch besorgen. Einen Jägerhut. Dem passionierten Jäger war ein Hut aus Österreich in Südafrika gestohlen worden. Und nun fand er einen ähnlichen in Deutschland wieder. Die Freude war groß.

Von Harry Güssefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare