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Frank Schöbel wurde 80: AZ-Reporter Harry Güssefeld über eine besondere Platte

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Von: Detlef Güssefeld

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Schalplatte „Weihnachten in Familie“
Neben Neil Young und vielen anderen Scheiben steht sie endlich: „Weihnachten in Familie“. Die Platte ist Kult und wird ewig Kult bleiben. Darüber hinaus wurde sie seit Erscheinen 1985 millionenfach verkauft. © Güssefeld, Harry

Nun gut. Ehrlich, wer wollte vor allem als junger Mensch schon zugeben, dass er Fan von Frank Schöbel war. Er war eben da, sang schon am Morgen seine Lieder in den Radios der Republik und sorgte für manches Schmunzeln. Seine Ehe mit Chris Doerk war Wunsch aller, die Harmonie anstrebten und der Liebe noch eine Chance gaben.

Arendsee – Schöbel und Doerk tourten durch die Lande und brachten mit „Heißer Sommer“ einen Film auf die Leinwand, der, ehrlich gesagt, zu den geheimen Lieblingsfilmen von noch so manchem übrig gebliebenen gelernten DDR-Bürger gehört. Ja, diese Lebensfreude, die Unbeschwertheit, die kollektive Leichtigkeit war schon etwas, was uns beeindruckte. Und wer den Film nicht auf DVD hat, der wird sich immer mal wieder freuen, wenn spät am Abend der Klassiker über den Bildschirm flimmert.

Identifikationsfigur

Frank Schöbel wurde vor einigen Tagen 80 Jahre alt. Und er sieht noch so jung aus, sagen viele. Das volle Haar wird bestaunt, während man sich selbst, noch viele Jahre jünger, über die Halbglatze streichelt. Und was das Besondere ist: Frank Schöbel konnte und kann den Menschen zeigen, dass Lachen und Fröhlichkeit für die Seele besser sind, als die Pillen am Morgen. Mit dem Älterwerden der Generation wird Schöbel so eine Art Identifikationsfigur für so manchen Ostdeutschen. Gut so.

Ich selbst habe endlich die Schallplatte „Weihnachten in Familie“ bekommen. Die Mutter eines Freundes hat sie mir verkauft. Das Cover noch voll in Ordnung, die Scheibe ohne Kratzer. Der Kauf fand im Sommer statt. Und ich habe diese Platte noch nicht einmal aufgelegt. Das will ich am Heiligabend tun.

Was mir an dem Werk so gefällt, ist die Harmonie, die es noch geben muss. Mutter, Vater und Kinder unter dem Baum. Plätzchen backen, singen, basteln. Ach ja, da sitzt ja eine andere Frau mit ihm unter dem Baum. Chris Doerk und Frank Schöbel, das Traumpaar von einst, hatte sich längst getrennt.

Mit der neuen Frau, Aurora Lacasa, hatte er zwei Töchter. Ein Partnerwechsel der Art, auf den viele von uns sicherlich zurückblicken können. Wenn eine Liebe endet, gibt es eine neue. Manchmal.

Auch im Westen gehört

In diesem Fall hatte es ja sichtlich geklappt. Frank Schöbel blieb der Sunny-Boy, der es sogar schaffte, mit „Wie ein Stern“ auch im Westradio zu punkten. Aber da gehörte er nicht hin, er war ja ein Sohn des Ostens. Denn so viele Stars hatte man zwischen Rügen und dem Erzgebirge nicht.

Franki-Boy war einer von uns. Und das sollte so bleiben. Und vielleicht hat er ja mit Johannes Heesters ein Vorbild und steht noch mit 100 auf der Bühne.

Ich selbst habe Frank Schöbel selten live erlebt. Einmal, im Burggarten in Salzwedel, standen so viele Fotografen auf der Bühne, dass Frank Schöbel sagte: „Schön, dass ihr alle da seid. Aber ein wenig Platz müsst ihr mir lassen. Ich möchte ja singen.“ Und er schmetterte seine Lieder und erreichte wieder einmal die Herzen der in die Jahre gekommenen Salzwedeler. Denn, wie ich mich erinnern kann, war nur eine Handvoll junger Leute erschienen.

Ich freue mich, dass ich mit Frank Schöbel einen Künstler kenne, der sehr wohl maßgeblich die Schlagerszene in der DDR geprägt hat. Und ich finde es großartig, dass mit „Heißer Sommer“ ein Film entstand, der mir immer wieder gefällt. Vielleicht, weil mich dieser Film an die fröhliche Jugend erinnert.

Platte für Heiligabend

Und am Heiligen Abend werde ich die Schallplatte auflegen. 1985 bei Amiga geprägt. Und neben so weltlichen Liedern sind darauf auch Kirchenlieder.

Übrigens: „Weihnachten in Familie“ soll die meistverkaufte Platte in der DDR gewesen sein. Mich wundert das nicht. Zeigt es doch, dass der Wunsch nach Harmonie stärker war und ist, als oft zugegeben. Frank Schöbel wurde nun 80, alles Gute.

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