„Forscher sind unter Druck“

Der Fischer lässt nicht locker: Der See ist in einem guten Zustand. Die Sichttiefe betrug gestern 2,80 Meter. Fotos (3): Güssefeld

Arendsee / Zießau. „Komm mit, ich zeig Dir, wie sauber der See ist“, sagte Fischer Wilfried Kagel gestern. Und wenige Minuten später war er mit dem Boot auf dem Arendsee. Niemand sonst hatte sich so früh auf das Gewässer verirrt. Mitten auf dem See, rund einen Kilometer von der Fischerei entfernt, stoppte Wilfried Kagel. Aus seiner „Wissenschaftskiste“ entnahm er eine DIN-gerechte Sichtscheibe. „Ich lasse sie jetzt ins Wasser, und messe, wie groß die Sichttiefe ist“, so Kagel. Die Messung ergab: 2,80 Meter. „Das ist sehr gut, vor Tagen hatten wir aber auch schon 3,20 Meter“, so der Fischer zufrieden. Gemessen wurde in der Freiwasserzone, nicht dort, „wo die Badegäste in den See pinkeln“, wie es hieß. An der Stelle war der See rund 46 Meter tief, weiß Kagel aus Erfahrung. Übrigens: Die Wassertemperatur wurde mit einem übergroßen Seethermometer gemessen. Es zeigte rund 18 Grad an.

Die Prozedur hatte natürlich einen Grund. Zum wiederholten Mal machte Wilfried Kagel darauf aufmerksam, dass das Seewasser eine sehr gute Qualität hat. „Man muss entgegen den Wissenschaftlern die Situation über das gesamten Jahr sehen“, erklärte er im Nieselregen. Anstatt die Millionen Euro für die chemische Keule zu verwenden, sollten seiner Ansicht nach die Millionen eingesetzt werden, um die Ursachen für die Nitratbelastung zu beseitigen. Beispiel Überläufe: Im Sturzregenfall fließen Unmengen Abwässer aus der Kanalisation in den See. „Wenn der Stauraum in der Abwasserleitung nicht ausreicht, dann muss noch mal aufgebuddelt und die Räume müssen vergrößert werden“, so Kagel. Angesichts der starken Regenfälle der letzten Wochen war immer wieder Abwasser in den See geflossen. So auch an der Steinbrücke.

„Wissenschaftler sollten nicht wie Mondscheinbauern agieren. Wenn man ein Ziel hat und dann aber erkennt, dass der Weg dorthin falsch ist, dann muss man es auch zugeben“, so Kagel. Er erkenne zwar, dass die Forscher unter Druck stehen und Ergebnisse vorlegen müssen. „Aber das muss aber nicht am Arendsee passieren“, so Wilfried Kagel.

Von Harry Güssefeld

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