„Ich würde alles noch einmal so machen“

Fischer Wilfried Kagel: 50 Jahre mit dem Arendsee verbunden

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Am 1. September 1969 nahm Wilfried Kagel seinen Dienst als Fischermeister am Arendsee auf. Ein halbes Jahrhundert ist das her.

Zießau – Nein, gefeiert hat Wilfried Kagel den besonderen Tag nicht. Auch nicht in der Familie. Aber am Morgen des 1. September hatte er intensiv daran gedacht. An diese 50 Jahre, die er genau an diesem Tag auf dem Arendsee als Fischer seinen Dienst tut.

„Es war der 1. September 1969. Ich kam damals aus Werder als Fischermeister“, erinnert sich Wilfried Kagel.

Erst war er beim VEB Binnenfischerei Potsdam, später bei der Binnenfischerei Magdeburg angestellt. Nach der Wende wurde es kurzzeitig GmbH, am 3. Oktober 1990 stellte Kagel bei der Treuhand den Antrag auf Privatisierung. Das sollte bis zum 1. Mai 1992 dauern – dann war Wilfried Kagel selbstständiger Fischermeister auf dem Arendsee. „Ich denke da gern an die Worte meiner Mutter. Sie sagte immer, wenn du die Möglichkeit hast, dann werde selbstständig. Nur so kannst du selbst über dich entscheiden“, erzählte der heute 79-Jährige der AZ.

Egal welche Eigentumsform: Die Arbeit war immer gleich. Reusen stellen und einholen, Laichfische fangen, Eier auflegen, die Brut aufziehen, verkaufen und aussetzen. „Alle Jahre wieder“, so der Fischer. Und er würde alles wieder so machen. Genau so, wie er es bislang getan hat. Stolz ist er darauf, dass er nie arbeitslos war. Und dankbar: Vor allem seiner Frau Regina, die ihm immer und vor allem in der Zeit der Privatisierung den Rücken freihielt. „Ein Mann ist nur stark, wenn er eine starke Frau an seiner Seite hat“, sagt er.

Als andere schon dreimal in Mallorca waren, zahlte die Familie den Kredit zurück. Bis die Fischerei schuldenfrei war. Auch von Gegenwind spricht der Fischer. Ohne den es im Leben wohl nie geht. Die Kontroversen mit Behörden waren nach der Wende größer als vorher. Sagt Kagel, der immer sagt, was er denkt. Die Einheit hat er immer begrüßt. Deutschland einig Vaterland – das war für ihn eine ganz wichtige Sache.

Ob er nicht ans Aufhören denkt, will die AZ wissen. Er sei ja nun schon in einem Alter, wo man sich das gönnen könnte. „Ich bin erst alt, wenn ich 93 bin“, sagt der Mann mit der Fischermütze verschmitzt. Immer wieder hält er inne, schaut auf seinen Garten, von der Bank aus, auf der er sich nach seinen Fahrten auf dem Arendsee für Momente ausruht. Das Gespräch war angenehm: Auch deshalb, weil der Fischer vom Arendsee immer wieder erklärte, dass er glücklich am See ist. Und auch heute wird er rausfahren. Zu seinen Maränen in den Tiefen des Arendsees.

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