Zwangsstopp in Schweden

Mit Fisch, aber ohne Auto zurück: Schramper Angel-Touristen auf Reise mit Hindernissen

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Noch in Schweden: Das Auto gab den Geist auf.

Schrampe – Tausende Deutsche zieht es in den Norden zum Angeln. Norwegen scheint das Paradies zu sein, wenn es um zig Kilogramm Fisch geht. Dass die Mitnahmemenge reduziert wurde, machte den sieben Männern und einer Frau nichts aus, als sie sich am 27. September auf den Weg nach Norwegen machten.

Die Gruppe, unter ihnen Rena Bannehr und ihr Freund Volker Tiedeitz, hatten viel Spaß. Fahrer und Organisator der Tour war Andreas aus Rostock, ein guter Freund.

Die Reisegruppe mit Rena Bannehr (2.v.l) und Volker Tiedeitz (3.v.r.)

Und so startete die Mission auch in der Hafenstadt. Mit der Fähre nach Gedser. „Alles lief nach Plan. In der Nähe von Haugesund regnete es oft und viel, aber daran muss man sich gewöhnen, wenn man nach Norwegen fährt“, so die beiden Schramper. Der Freund aus Rostock hatte einen Mercedes-Transporter mit Anhänger als Transportmittel beigesteuert. Der Anhänger war vor der Abreise voller Fisch – natürlich nur die genehmigte Menge – und dann ging es in Richtung Heimat.

Doch das sollte dauern. Die Fische waren gefroren in Styroporkisten verpackt. Ihnen ging es gut. Auch dann noch, als das Gespann am späten Abend südlich von Göteborg liegenblieb. Nichts ging mehr. Es war 23.41 Uhr. Und kalt, wie sich Rena Bannehr erinnerte. Die Rettung sollte mittels einer goldenen Plus-Karte kommen: Die Engel, wie die Helfer in Not gern bezeichnet werden, sollten schnelle Hilfe bringen. Hofften alle. Nach gut sechs Stunden kam ein Abschlepper, der die Angler-Truppe nach Varberg schleppte. In ein Industriegebiet. Es war Sonnabend, und die Werkstatt, die angesteuert wurde, war menschenleer. Um halb neun kamen zwei Arbeiter. „Sie waren so nett, dass sie uns in den Aufenthaltsraum ließen“, erfuhr die AZ. Die Verständigung war schlecht. Aber der Raum warm. Und die Fische waren immer noch eiskalt.

Über Telefon wurde versucht, einen Leihwagen zu bekommen. Aber das war schwierig. Irgendwie waren nur drei Kleinwagen im Angebot, hieß es am Telefon. Darunter ein E-Golf und ein Caddy. Das alles funktionierte nicht, sodass die acht Leute in ein Hotel eincheckten. Und dann wurde weiter telefoniert: In Rostock hatte der Fahrer einen Bekannten erreicht, der einen Kleinbus bei einer Rostocker Autovermietung holte und sich in Richtung Schweden aufmachte. „Das war unser Glück“, so Andreas, der Rostocker.

Die gebuchte Fähre wurde von der Truppe dann nicht erreicht. Statt acht waren nun neun Leute in dem Bus. Und die Fische hintendran. Denen ging es weiter gut. Eine neue Fähre mit Zuzahlung war dann das Schiff nach Hause. Fast alle mussten mit ihren Arbeitgebern telefonieren. Dass sie Montag nicht zur Arbeit erscheinen können. Die Geschichte könnte nun zu Ende sein. Doch das ist sie nicht. Der Mercedes des Rostockers steht noch südlich von Göteborg. Vielleicht bleibt ihm nichts weiter übrig, als ihn mit einem Abschlepper wieder in die Heimat zu holen.

Aber den gefrorenen Fischen ging es gut. Die Wirren der Reise hatten sie überstanden. „Richtig teurer Fisch ist das jetzt“, hieß es. Ob sie wieder mal nach Norwegen fahren wollen wissen sie nicht. Erstmal muss ja das Auto wieder da sein, um noch einmal starten zu können.

VON HARRY GÜSSEFELD

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