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Aus dem fernen Italien ins kleine Arendsee

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Junior-Chef Sascha Bannier (M.) mit seinen neuen Mitarbeitern Matteo (l.) und Adriana. Die beiden Italiener wollen mit einer Lehre in Deutschland neu durchstarten, weil sie in ihrem Heimatland kaum eine Chance sehen.
Junior-Chef Sascha Bannier (M.) mit seinen neuen Mitarbeitern Matteo (l.) und Adriana. Die beiden Italiener wollen mit einer Lehre in Deutschland neu durchstarten, weil sie in ihrem Heimatland kaum eine Chance sehen. © Güssefeld

Arendsee. In Zeiten offener Grenzen und der Möglichkeit, dass EU-Bürger auf dem Gebiet der Europäischen Union leben und arbeiten können, wo sie wollen, nutzen immer mehr vor allem auch junge Leute das Angebot, in Deutschland zu arbeiten.

Im „Deutschen Haus“ in Arendsee traf die AZ gestern den 24-jährigen Matteo und seine Freundin Adriana (26). Beide absolvieren zur Zeit ein zweiwöchiges Praktikum und wollen dann, so erklärten beide, eine Lehre aufnehmen. Matteo möchte Restaurantfachmann werden, Adriana interessiert sich für den Beruf der Hotelfachfrau.

Dabei sind beide schon gut ausgebildet. Der junge Italiener absolvierte eine Hochschule, studierte Informatik, seine Freundin Naturwissenschaften, sie hängte noch einige Semester Psychologie dran. Doch für beide gab es keine langfristigen Jobs in der Heimat. „Wir haben uns überlegt, dass wir die Möglichkeit nutzen und in Deutschland einen Neuanfang wagen“, so die sympathische Italienerin. Zum einen sei es das Erlernen der deutschen Sprache, zum anderen die gute Ausbildung und die Chance, in dem Job auch eine Arbeit zu finden. Matteo hatte auch Probleme, weil seine Haare enorm lang sind, erklärte er gestern.

Beide sprechen ein wenig Deutsch, besser Englisch. Ihr Chef Burghard Bannier ist davon überzeugt, dass sich beide gut einleben und die Sache auch durchziehen. „Ich sehe darin eine gute Hilfe, den Menschen in den Krisenländern eine Perspektive zu bieten“, so Bannier auf die Frage, warum er junge Menschen aus Südeuropa einstellen möchte. „Die Milliarden, mit denen Deutschland vor allem Banken und Regierungen unterstützt, kommen bei den Menschen unten nicht an“, ist er sich sicher. Vor allem junge Leute resignieren angesichts der Perspektivlosigkeit.

Beide halten Kontakt in die Heimat. Über das Internet. Zurück nach Italien wollen sie nicht – vielleicht mal auf Besuch. Freunde haben sie zurückgelassen, dort in der Nähe von Mailand. Ein gemeinames Hobby verbindet die beiden. Die Liebe zur Musik. Sie hören gern Metal, aber sind auch für andere Richtungen offen. Matteo spielt Gitarre, Adriana hat einmal sieben Jahre Klavierunterricht genossen. Das sei lange her, sagt sie, aber die Chefs im „Deutschen Haus“ wollen sie einmal ans Klavier setzen, versprachen sie gestern. Dass Adriana auch singen kann, verriet sie allein der AZ. Wer weiß, ob das Duo einmal für die kleine Hotel-Musik sorgen kann.

Arendsee haben sich beide schon einmal angesehen. Sehr klein, sagen sie, aber schön. Mit dem Bus waren sie schon in Salzwedel. Und Rostock kennen sie auch. Dort haben sie einen Sprachlehrgang besucht. Das Deutsch fällt ihnen noch schwer, doch die deutsch-englisch-italienische Verständigung klappt. Es gibt kaum ein Zweifel daran, dass sie sich mit den Gästen bald gut verstehen. Wenn Sympathie entscheidet – dann klappt das.

Von Harry Güssefeld

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