Junge Menschen vor und hinter der Kamera träumen vom eigenen Film

Erster Dreh mit Alex im Glas

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Luis aus dem südlichen Brandenburg und Naya aus Berlin sind Teilnehmer des Filmcamps in Arendsee, das am Montag begonnen hat. 

Arendsee – Eigentlich eine schaurige Geschichte: Ein Glas mit Asche, das betrauert wird. Darin Alex, 28 Jahre jung, männlich, aus Berlin. Gestorben an Aids, Krebs oder Bullemie. So genau wissen es die Leute in der Runde nicht.

So gehen sie in sich, rauchen einen Joint, und plötzlich klopft jemand genau diesen Joint über der Ausche im Glas aus. Die Szene ist nur eine Minute lang – bis sie im Kasten ist, dauert es etwas länger.

Nach dem Dreh kommt die AZ mit zwei jungen Leuten, die den ersten Durchgang im Filmcamp Arendsee besuchen, ins Gespräch. Einer ist Luis, 16 Jahre jung, aus dem südlichen Brandenburg. Er bringt viel Wissen mit ins Camp. Sein Hobby seit Jahren: Kamera und Schnitt. „Ich bin das erste Mal in Arendsee, bin im Internet drauf gekommen“, erzählt der Gymnasiast. Er habe klare Vorstellungen über seine Zukunft. Irgendwann möchte er professionell mit der Kamera Filme drehen. In den USA, Kanada oder in Skandinavien. „Unter dem Abspann soll unter Kamera mein Name stehen“, so der selbstbewusste junge Mann, der am Dienstagabend den toten Alex im Glas drehte – es war eine Probe.

Eine der Darstellerinnen, die mit um den vermeintlichen Berliner im Glas trauerte, ist Naya. 15 Jahre jung, Mutter eine Brasilianerin – sie selbst in Deutschland geboren und ausgestattet auch mit einer US-amerikanischen Staatsbürgerschaft. Ein Jahr lang ging sie in New York in die Schule, nun ist sie in Arendsee. „Mein großer Traum ist Schauspielerin. Ich werde alles dafür tun, vor allem erst einmal einen guten Schulabschluss machen“, sagt die sympathische junge Frau. Doch sie wisse auch sehr genau, dass der Job als Schauspielerin manchmal nicht so läuft, wie man es gern möchte. Deshalb denke sie auch über ein zweites Standbein nach – vielleicht in der Medizin. Luis und Naya freuen sich über die Woche in Arendsee. Dass sie sehr rustikal, in Wohnwagen, untergebracht sind, das hatten sie schon aus Bewertungen im Internet gelesen. „Alles in Ordnung, wir sind nicht überrascht“, sagen beide.

Die AZ ist angesichts des Alters aber überrascht, mit wie viel Selbstbewusstsein die jungen Menschen in das Filmcamp kommen. 36 junge Menschen waren es am Dienstagabend. Ja, Erholung gibt es natürlich auch. Aber die Dozenten drängen darauf: in einer Woche muss jeder an einem Film mitwirken. An seinem Film. Vor oder hinter der Kamera, beim Schnitt, bei den Specialeffects. Genau das mache den Reiz aus – und es scheint sicher, dass Luis aus dem südlichen Brandenburg beim Abspann seinen Namen als Kameramann lesen wird.

Das Filmcamp ist einzigartig in Sachsen-Anhalt. Das Ziel: Eine Filmstadt, in der ganzjährig gearbeitet wird.

VON HARRY GÜSSEFELD

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