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Entwurf des Arendseer Solarkonzepts fertig

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Von: Jens Heymann

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Arendsees Bürgermeister Norman Klebe sprach am Donnerstagabend in Sanne über Details des Solarkonzepts.
Arendsees Bürgermeister Norman Klebe sprach am Donnerstagabend in Sanne über Details des Solarkonzepts. © Heymann, Jens

In den Ortschaften der Einheitsgemeinde Arendsee steht bis Jahresende ein Thema fest auf der Tagesordnung: Sie sollen eine Stellungnahme zum Solarplan der Stadt (offiziell gesamträumliches Konzept für Freiflächen-Photovoltaikanlagen) abgeben. In einigen Dörfern ging das bislang schnell, in anderen dürfte mehr darüber diskutiert werden.

Arendsee – Das städtische Solarkonzept ist als Entwurf mittlerweile verfügbar. In einer Arbeitsberatung wurde es außerdem Vertretern aus Stadt- und Dorfpolitik vorgestellt. Auch die AZ konnte es sich im Detail ansehen.

Der erste Eindruck: Die vielleicht von manchen befürchtete Solarparkschwemme wird es wohl nicht geben. Weite Teile der Einheitsgemeinde sind für Freiflächenanlagen nicht geeignet – etwa aus Gründen des Naturschutzes (Grünes Band), des Tourismus (rund um den Arendsee), des Hochwasserschutzes (Gräben bei Störpke) und der Landwirtschaft (gute Böden).

Freiflächen-Solarparks können nur dort gebaut werden, wo auch Platz ist und wo keine Bäume, kein See oder anderes bereits stehen. Mit anderen Worten: Es geht um landwirtschaftliche Flächen, vor allem um sogenannte benachteiligte Gebiete mit geringem Ertrag. PV-Anlagen auf Hausdächern sind übrigens nicht Teil des Konzepts.

Bevorzugte Solarparkgebiete sind nun die Areale südlich von Leppin sowie zwischen Kaulitz und Binde. Weitere potenzielle Stromgewinnungsflächen befinden sich im Raum Dessau-Kleinau-Lohne-Kerkau, Gestien und südlich der B 190 bei Arendsee. Auch entlang der Bahnlinien sind Investitionen möglich: Hierbei sind Gebiete bei Fleetmark, Rademin / Ladekath, Mechau, Harpe und Genzien im Plan markiert worden. Dazu kommen Abschnitte bei Neulingen, Schernikau, Molitz und Arendsee (Osterburger Straße / Bahnhofstraße), wo es ohnehin konkrete Projektvorschläge bzw. Planungen gibt.

Das Ganze lässt sich natürlich auch in Zahlen ausdrücken. Die Einheitsgemeinde Arendsee verfügt insgesamt über 13 835 Hektar landwirtschaftlich nutzbaren Boden. Von Planungsseite wird empfohlen, nicht mehr als fünf Prozent dieser Fläche für Photovoltaik verfügbar zu machen (rund 690 Hektar). Deutlich realistischer dürfte allerdings ein Wert von zwei Prozent sein (277 Hektar), über den der Arendseer Stadtrat entscheiden muss. Von diesen 277 Hektar müssen nun noch die vorhandenen (Lohne, Alte Poststraße in Arendsee) und fest geplanten Anlagen (Schernikau, Neulingen und Osterburger Straße in Arendsee) abgezogen werden. Da bleiben dann nur noch rund 165 Hektar übrig.

Nun kommen die Vorhaben ins Spiel, über die weitgehend Wohlwollen herrscht. Da wären beispielsweise der geplante 30-Hektar-Park zwischen Kaulitz und Schrampe, zwei Areale zwischen Fleetmark und Molitz (zusammen 21 Hektar) sowie Flächen bei Rademin (etwa zehn Hektar).

Unterm Strich blieben da noch etwa 100 Hektar übrig. Zum Vergleich: Alle Investorenanfragen im Arendseer Bauamt seit Sommer 2021 belaufen sich auf mehr als das Doppelte. Gut möglich also, dass das Gerangel um die Flächen nach Beschluss des Solarkonzepts richtig losgeht.

Einige Dinge müssen zum Schluss noch beachtet werden. Die Arendseer Ortschaften haben das Recht, sich gegen Photovoltaik auf Freiflächen auszusprechen. Das haben einige bereits getan, und bislang wird dies seitens der Stadt auch respektiert. Das geht außerdem so weit, dass eine Ortschaft wie Kaulitz sagen könnte: Mit dem 30-Hektar-Park in ihrer Gemarkung wäre ihre Schuldigkeit getan – Solarvorrangfläche hin oder her.

Sonnenstrom ist zudem nicht die einzige Form erneuerbarer Energien. Möglich also, dass in Zukunft etwa die bestehenden Windvorranggebiete ausgeweitet werden.

Und dann gibt es da noch die Bundespolitik und die viel zitierte geopolitische Gesamtlage. Kommt also eines Tages aus Berlin die Ansage, aufgrund einer gewollten Abkehr von fossilen Brennstoffen deutlich mehr in Sachen regenerativer Energieerzeugung zu tun, müsste in einem solchen Fall wohl auch in Arendsee früher oder später nachjustiert werden.

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