Niedersachsen dürfen erst ab dem 28. Mai wieder nach Sachsen-Anhalt

Eine Grenze ohne Grenzer

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Die ehemalige Grenze ist in Corona-Zeiten wieder in den Fokus gerückt.

Arendsee – Sie war eine der bestgesichertsten Grenzen der Welt. Die Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der Nato – quer durch Deutschland. Aus Osten gab es kein Entrinnen – und die Menschen aus dem Westen durften kommen.

Doch derzeit gehen die Uhren anders, Menschen aus Niedersachsen dürfen nach aktueller Lage nicht nach Sachsen-Anhalt einreisen.

So sagt es ganz klar die „5. SARS-CoV-2-Eindämmungs-Verordnung, einschließlich der Änderung vom 12. Mai 2020“ – und genau das bringt Gastronomen und Tourismusbetriebe in Schwierigkeiten. Denn es ist unbestritten, dass sich Einwohner aus Niedersachsen nicht nur aus beruflichen Gründen in Sachsen-Anhalt aufhalten. Auch wenn sie an der ehemaligen Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen nicht unbedingt kontrolliert werden – wenn sie einreisen, verstoßen sie eben gegen diese oben genannte Verordnung.

Hoteliers und Betreiber von Ferienanlagen wie einem Campingplatz sind daher angewiesen, Niedersachsen, aber auch Bürgern aus anderen Bundesländern, eindeutig zu erklären, dass sie die Gaststätte oder den Campingplatz nicht betreten dürfen. „Es kommt meistens bereits bei einem Anruf zu einer Entscheidung. Gäste, die bei uns essen wollen und aus anderen Bundesländern kommen, müssen wir sagen, dass sie das nicht dürfen“, so Hotelier Burghard Bannier.

Und weiter: Spätestens beim Eintragen in die Namenslisten würde ersichtlich, woher die Leute kommen. Folge: Sie dürfen nicht rein, wenn sie nicht aus Sachsen-Anhalt sind. Gleiches gilt auf dem Campingplatz in Arendsee. Wer aus Sachsen-Anhalt kommt, darf rauf. Andere aber nicht. „Es gibt hier ja auch keinen Zweitwohnsitz. Das wäre wieder etwas anderes. Deshalb: Nur Sachsen-Anhalter dürfen den Service nutzen“, so Michael Meyer von der betreibenden Luftkurort-Arendsee-GmbH. Wann sich das ändert, wisse er nicht. Man denke von Tag zu Tag und sei ständig unter Druck, keinen Fehler zu machen. Und Burghard Bannier ergänzte gestern auf Nachfrage, dass „sogar Leute aus Wittenberge nicht kommen dürfen“ – da sei die Elbe eine neue Grenze.

„Angesichts des anstehenden Feiertages Christi Himmelfahrt am morgigen Donnerstag, 21. Mai, müsse nicht nur theoretisch auf diese Bestimmung geachtet werden, wenn die Verordnung in diesem Punkt unverändert bleibt“, so der Vorsitzende des Arendseer Wirtschaftsausschusses Jens Reichardt. Nach Ostern sei es nun Himmelfahrt, das von den Einschnitten betroffen ist.

Deutschland ein Land mit Grenzen – man hat das Bild vor Augen, dass aus Richtung Schmarsau Leute bis an die ehemalige Grenze reisen, um einen Blick auf die blühenden Landschaften zu werfen, um dann wieder nach Hause zu fahren.

Das soll ab dem 28. Mai wieder Geschichte sein, meldete gestern die Staatskanzlei in Magdeburg. Dann dürfen auch Niedersachsen wieder kommen. Wer betroffen ist, so auch Gaststättenbetreiber, sollte sich ständig informieren. Veränderungen gibt es fast im Stundentakt.

VON HARRY GÜSSEFELD

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