Vereinsvorsitzender Gert Reckling spürt von der Stadt keine Rückendeckung

Ehrenamtliche vermissen Interesse am Arendsee

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Gert Reckling (stehend) bei einer Versammlung 2016. Sollte sich für ihn kein Nachfolger finden, wird die Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ aufgelöst. Die vielleicht letzte öffentliche Sitzung beginnt am morgigen Sonnabend um 10 Uhr im Flair-Hotel „Deutsches Haus“.

Arendsee. Gert Reckling war bis 2016 Vize-Bürgermeister im Luftkurort, zeigte sich aber gestern im AZ-Gespräch von der jetzigen Stadtpolitik enttäuscht. Konkret geht es dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ um die Zukunft dieses Vereins.

Der Kossebauer hatte bereits 2014 angekündigt, sich aus dem verantwortungsvollen Ehrenamt zurückziehen zu wollen. Doch eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wurde bislang nicht gefunden.

Für ihn ist enttäuschend, dass sich Arendseer Stadtverantwortliche nicht dafür eingesetzt hätten, Grundlagen für die Zukunft zu legen. Die Kommune will austreten. Die Arbeitsgemeinschaft hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer die Funktion, verschiedene Diskussionspunkte über und rund um den Arendsee öffentlich zu machen. Interessierte erfuhren damit regelmäßig Details, zum Beispiel über wissenschaftliche Entwicklungen und Erkenntnisse. Die öffentlichen Versammlungen konnten auch für Fragen genutzt werden. Der See ist mit der Stadt nicht nur geschichtlich verwoben wie kein anderes Merkmal der Region. Trotzdem komme aus dem Rathaus zu wenig, um die Arbeitsgemeinschaft am Leben zu erhalten.

Diese Erfahrung musste Gert Reckling in den vergangenen Monaten immer wieder sammeln. Auch darum steht für ihn fest: Wenn sich niemand für den Vorsitz findet, wird der Verein aufgelöst. Grundlagen für diesen letzten Schritt könnten am morgigen Sonnabend, 18. November, gelegt werden. Eine Mitgliederversammlung beginnt um 10 Uhr im Flair-Hotel „Deutsches Haus“. Dann besteht die wohl letzte Möglichkeit, einen neuen Vorstand zu wählen. „Bislang hat sich bei mir aber niemand gemeldet, der den Vorsitz übernehmen würde“, so Gert Reckling gestern.

Olaf „Falo“ Meußling (2014 verstorben) mit einer Seekarte. Durch sein Engagement entstand 1993 die Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“, die er prägte und leitete.

Die Anfänge der Arbeitsgemeinschaft reichen ein Vierteljahrhundert zurück. Der bereits verstorbene Olaf „Falo“ Meußling setzte sich mit Herzblut für Arendsee ein. Er lebte viele Jahrzehnte in Ansbach, vergaß seine Heimat Arendsee aber nie. Aus seinem Engagement entstand die Arbeitsgemeinschaft, die am 28. Mai 1993 gegründet wurde. Darüber hinaus vermaß der gebürtige Arendseer als Jugendlicher die Seetiefe, gab Publikationen heraus, sammelte und gestaltete Ausstellungen. Seine Herzensangelegenheit war es immer, die blaue Perle mit all ihren Facetten für die Öffentlichkeit darzustellen. Zudem hatten Wissenschaftler die Möglichkeit, ihre Ergebnisse vorzustellen. All dies kann es in dieser Form wohl nicht mehr geben, wenn der Verein aufgelöst wird.

Von Christian Ziems

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