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DRK-Kindersommer zum 4. Mal in Arendsee

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Von: Jens Heymann

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Neptunfest während des DRK-Kindersommers im KiEZ Arendsee
Sieht martialisch aus, ist aber mit viel Show verbunden – das Neptunfest. Ein Name wird aufgerufen, die Häscher laufen los, und am Ende gibt es eine symbolische Taufe. © Heymann, Jens

Unter all den Besuchergruppen, die derzeit im Kinder- und Jugenderholungszentrum Arendsee (KiEZ) ein- und ausgehen, befindet sich eine besondere Truppe. Der Kindersommer, kurz Kiso, des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) findet zum vierten Mal im Norden Sachsen-Anhalts statt.

Arendsee – Kiso, das ist eine Ferienfreizeit für Kinder mit oder ohne körperlicher, geistiger, seelischer oder sozialer Beeinträchtigung. Gleichzeitig ist das KiEZ nicht zufällig ausgewählt worden – für die sechs- bis 16-jährigen Teilnehmer soll es ein so normales Erlebnis wie möglich sein. Und dafür sei der Kontakt untereinander und mit anderen Besuchern der Einrichtung ideal, erklären DRK-Präsident Roland Halang und Ferienleiter Martin Tuljus.

Zum Zeitpunkt des AZ-Besuchs hatten die 48 Kinder und 15 Betreuer die Hälfte des Arendsee-Aufenthalts absolviert – Bergfest. Wesentlich prägnanter ist aber das Neptunfest, eine Art Spaßtaufe, die manchmal etwas martialisch daherkommt. Kinder und Betreuer laufen davon, werden von den Häschern eingefangen und getauft. „Ab ins Wasser“, skandiert die Menge manchmal. Einiges an Show gehört dazu.

Für manche der Eltern sind die zwei Wochen Kiso die einzige Zeit im Jahr, Erleichterung in der Pflege ihres Kindes zu erfahren. DRK-Präsident Halang spricht von „Entlastungswirkung“. Berührungsängste unter den Teilnehmern, die aus dem ganzen Bundesland kommen, gebe es nur kurz zu Beginn.

Während der Corona-Zeit pausierte die Ferienfreizeit. Der insgesamt 32. Durchgang ist der erste in diesem Jahr. Naumburg, Dessau, Nebra und Kelbra sind frühere Veranstaltungsorte gewesen – nun ist Arendsee an der Reihe. Der Ort hat durch das Wasser ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Martin Tuljus. Er kommt gerne nach Arendsee und erinnert sich zurück bis in die 80er-Jahre.

Das Kloster und der Rundweg waren zum Zeitpunkt des Bergfestes noch weitere Aktivitäten des Kiso. Die Stadt selbst sei für die Kinder wenig attraktiv, nehmen die Verantwortlichen kein Blatt vor den Mund.

Während sich in früheren Zeiten DRK-Mitarbeiter oft Urlaub genommen haben, um als Betreuer zu fungieren, nutzen heutzutage viele Auszubildende die Gelegenheit für Praxiserfahrung. „Einmal Kiso, immer Kiso“ ist so ein Spruch, der gelegentlich fällt.

Davon kann auch Susan Böttjer berichten. Sie sei ein „Kiso-Dino“, sagt die ehemalige Betreuerin selbst. Den Kontakt habe sie nie verloren, seit sie 1997 zum ersten Mal dabei war. Unterschiede gebe es dennoch. Damals seien es mehr als einhundert Teilnehmer pro Durchgang gewesen. Es musste zuvor intensiver nach geeigneten Einrichtungen geschaut werden. Und auch die Kinder seien anders gewesen, so Susan Böttjer – mehr körperlich Eingeschränkte und weniger Verhaltensauffällige, so wie aktuell. Ihre Nichte Denise ist ebenfalls einen Weg gegangen: von der Teilnehmerin zur Betreuerin. Dafür gab es in Arendsee die Auszeichnung zur „Kiso-Heldin“.

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